Die Rötelmann GmbH in Werdohl begeht 2026 ihr 100-jähriges Firmenjubiläum. Seit der Gründung 1926 hat das Unternehmen aus dem Sauerland zwei Weltkriege, mehrere Wirtschaftskrisen, den Strukturwandel der deutschen Industrie und zuletzt die Digitalisierung durchlaufen. Für B2B-Entscheider im Baustoffsektor bietet das Jubiläum Anlass, die Resilienzfaktoren mittelständischer Zulieferer zu beleuchten – gerade in einer Phase, in der Nachhaltigkeit und Lieferkettenstabilität neu bewertet werden.

Strategische Herausforderungen der letzten Dekaden

Rötelmann durchlief mehrere Transformationsphasen: Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wiederaufbau der Produktionsanlagen zentral. In den 1970er- und 1980er-Jahren erzwang die internationale Konkurrenz Investitionen in Automatisierung. Die Jahrtausendwende brachte den Übergang von analoger zu digitaler Prozesskette – ein Schritt, den viele regionale Mittelständler nicht überlebten. Gleichzeitig verschärften globale Beschaffungsstrukturen den Preisdruck auf Baustoffzulieferer und Verarbeiter. Unternehmen, die sich nicht auf Spezialisierung oder höhere Wertschöpfung konzentrierten, verloren Marktanteile.

Die jüngste Herausforderung kam durch die Pandemie und die Energiekrise 2022/23. Lieferengpässe bei Bauchemie, Baustahl und elektronischen Komponenten trafen insbesondere kleinere Betriebe. Rötelmann gehört zu den Unternehmen, die durch regionale Netzwerke und diversifizierte Lieferantenstrukturen Kontinuität sichern konnten – ein Faktor, den auch größere Hersteller wie Sika in ihrer Lieferkettenstrategie priorisieren.

Digitalisierung und organisatorische Anpassungen

Im Vergleich zu Großkonzernen im Baustoffsektor – etwa Heidelberg Materials oder Wienerberger – verfügen mittelständische Betriebe oft über weniger Kapital für digitale Transformation. Rötelmann investierte dennoch in ERP-Systeme, digitale Qualitätskontrolle und cloudbasierte Kommunikation mit Kunden. Solche Schritte sind vergleichbar mit der jüngsten Erweiterungsstrategie bei Schäfer & Flottmann, die ebenfalls auf Prozessoptimierung und Kapazitätsausbau setzt.

Ein weiteres Thema: Fachkräftemangel. Das Sauerland ist trotz seiner industriellen Tradition mit Abwanderung konfrontiert. Rötelmann reagiert mit dualer Ausbildung, Kooperationen mit Fachhochschulen und flexiblen Arbeitsmodellen – Instrumente, die auch in anderen Regionen wie Mittelhessen erfolgreich eingesetzt werden, etwa bei Wilo FSM in Pohlheim.

Strategische Ansätze für die nächsten 100 Jahre

Rötelmann setzt künftig auf drei Säulen: Erstens die Stärkung der regionalen Verankerung durch Kooperationen mit Baustoffhändlern und Planern. Zweitens die Weiterentwicklung nachhaltiger Produktlinien, etwa im Bereich Recyclingbaustoffe oder emissionsarmer Bindemittel. Drittens die Integration digitaler Services – von 3D-Konfiguratoren bis zu automatisierten Abrufaufträgen.

Ob das Unternehmen die nächsten Dekaden ebenfalls meistern wird, hängt vor allem von der Fähigkeit ab, regulatorische Anforderungen – etwa durch das GEG oder die Mantelverordnung – frühzeitig in die Produktentwicklung zu integrieren. Für Verarbeiter bedeutet das: Lieferanten mit langfristiger Stabilität und Innovationskraft bleiben auch in volatilen Märkten die bessere Wahl.

Quellen