Eine Initiative, die die Klimatrajektorie des Sektors nachhaltig beeinflussen könnte: Holcim und Air Liquide haben die Einleitung eines gemeinsamen CO₂-Abscheidungsprojekts an einem Zement-Produktionsstandort in Belgien angekündigt. Das Ziel besteht darin, das Kohlendioxid, das beim Klinkerisierungsprozess freigesetzt wird – der emissionsintensivste Schritt der Zementherstellung – abzutrennen und es zu verwerten oder zu lagern.

Die Produktion von Klinker, dem Hauptbestandteil von Zement, verursacht etwa 60 % der Gesamtemissionen einer Zementfabrik durch die Entkarbonisierung von Kalkstein, hinzu kommen die Energieemissionen des Drehofens. Die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) ist eine der wenigen technischen Optionen zur Behandlung dieser Prozessemissionen, unabhängig vom verwendeten Brennstoff. Air Liquide bringt seine Expertise in Kryogenics-Trennung und Industriegasbehandlung ein, während Holcim die Produktionsinfrastruktur und den Zugang zu konzentrierten CO₂-Strömen bereitstellt.

Das belgische Projekt ist Teil einer breiteren europäischen Dynamik: mehrere Zementhersteller, darunter Heidelberg Materials, testen ebenfalls Abscheidungstechnologien an ihren Standorten. Die Rentabilität dieser Anlagen hängt jedoch stark vom Kohlenstoffpreis im EU-ETS-System und der Weiterentwicklung des Kohlenstoffausgleichsmechanismus an der Grenze (CBAM) ab, der Zementimporte mit hohem CO₂-Fußabdruck ab 2026 weniger wettbewerbsfähig macht.

Für Planer und Spezifizierer deutet diese Art von Initiative auf die Verfügbarkeit von Zementen mit reduziertem Kohlenstoff-Fußabdruck hin, mit zertifizierten Umweltproduktdeklarationen (EPD) und kompatibel mit den wachsenden Anforderungen der DGNB-Zertifizierungen oder öffentlicher Ausschreibungen mit CO₂-Fußabdruck-Kriterien. Die Frage des Mehrpreises pro Tonne CEM I, die mit Abscheidung produziert wird, bleibt jedoch offen und wird die großflächige Einführung der Technologie bedingen.

Dieses Projekt veranschaulicht auch die Notwendigkeit für Industrieunternehmen, sich an immer restriktivere europäische Klimapolitiken anzupassen. Die CCS-Strategie von Holcim wird von Analysten besonders beobachtet, die die Fähigkeit der Gruppe überprüfen, Klimaziele und Marktdynamik in Einklang zu bringen.