Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) hat sein Leistungsangebot im Bereich standardisierter bauakustischer Messverfahren ausgebaut. Die Einrichtung positioniert sich dabei als unabhängige Prüfinstanz für Schallschutz-Nachweise – eine Dienstleistung, die angesichts steigender Lärmschutzanforderungen und zunehmender Klagen gegen Neubauprojekte an Bedeutung gewinnt.
Hintergrund ist die wachsende Wohnverdichtung in urbanen Räumen und die damit verbundene Sensibilität für Lärmbelästigung. Während Architekten und Planer bei der Materialwahl bisher oft auf Herstellerangaben und theoretische Kennwerte wie den U-Wert oder die Druckfestigkeitsklasse vertrauen konnten, verlangen Bauherren und Wohnungseigentümer zunehmend belastbare Schallschutz-Nachweise. Das IBP bietet dafür Messungen nach geltenden Normen an – sowohl für Neubau als auch für Sanierungsprojekte.
Die Prüfleistungen umfassen unter anderem die Ermittlung der Luftschalldämmung von Wänden, Decken und Fassadenelementen, die Messung der Trittschalldämmung bei Estrich-Konstruktionen sowie die Bewertung von Schallschutzmaßnahmen bei mehrgeschossigen Gebäuden. Gerade bei Hybridkonstruktionen – etwa der Kombination aus Beton-Decken und Trockenbauplatten – sind praxisnahe Messungen entscheidend, da rechnerische Prognosen oft von der tatsächlichen Schallübertragung abweichen.
Für Baustoffhersteller und Produktmanager bieten die Messungen des IBP einen zusätzlichen Nutzen: Sie können als Grundlage für produktspezifische Nachweise dienen, etwa in EPD-Dokumenten oder bei der Beantragung von Zulassungen. Auch im Zusammenhang mit der Markteinführung neuer Dämmstoffe – beispielsweise aus Holzfaserdämmung oder recycelten Materialien – gewinnen unabhängige Prüfberichte an Relevanz.
Das Fraunhofer IBP baut mit diesem Angebot seine Rolle als Schnittstelle zwischen Forschung und Baupraxis weiter aus. Das Institut ist bereits in anderen Bereichen aktiv, etwa bei der Entwicklung adaptiver Fenstersysteme oder im Rahmen von Kooperationen mit Industriepartnern. Die bauakustischen Messungen ergänzen dieses Portfolio und adressieren einen Markt, der durch verschärfte gesetzliche Vorgaben und steigende Qualitätsansprüche wächst.
Praxis-Take-away: Wenn Sie als Planer oder Baustoffhändler in Projekten mit erhöhten Schallschutzanforderungen tätig sind, sollten Sie frühzeitig unabhängige Messungen einplanen. Das IBP bietet dafür normkonforme Verfahren, die als Nachweis gegenüber Bauherren und Behörden verwendet werden können. Besonders bei innovativen Konstruktionen – etwa im mehrgeschossigen Holzbau – lohnt sich eine messtechnische Absicherung vor Baufreigabe.
