Die ERLUS AG in Neufahrn vollzieht einen Führungswechsel im Vertrieb: Andreas Wilhelm, zuvor bei der Knauf Gips KG Iphofen tätig, übernimmt zum 1. Februar 2026 die Ressorts Marketing und Vertrieb. Patrick Dietrich, seit 2023 im Vorstand, scheidet auf eigenen Wunsch aus. Der Wechsel erfolgt in einem schwierigen Marktumfeld: Die Baukonjunktur schwächelt, die Nachfrage nach Dachziegeln und Klinkern ist rückläufig, und der Wettbewerb im Baustoffhandel wird härter. ERLUS setzt nun auf Erfahrung aus dem Knauf-Konzern – doch welche strategischen Impulse kann Wilhelm setzen?

Wer ist der neue Vorstand?

Andreas Wilhelm, 41 Jahre alt, war seit 2014 bei Knauf Gips in Iphofen in verschiedenen Führungspositionen in Vertrieb und Marketing tätig. Der Diplom-Betriebswirt hatte zuvor fünf Jahre bei der Lindner Group in Arnstorf gearbeitet. Wilhelm wurde am 2. Dezember 2025 in der Aufsichtsratssitzung zum Vorstandsmitglied bestellt und verantwortet nun Marketing und Vertrieb bei ERLUS. Claus Girnghuber, Vorsitzender des Aufsichtsrats, erklärt: „Wir freuen uns sehr, dass wir Andreas Wilhelm für unsere Unternehmen gewinnen konnten und wir wünschen ihm für seine neuen Tätigkeiten bei uns viel Erfolg und immer eine glückliche Hand."

Patrick Dietrich, der die Position seit 2023 innehatte, verlässt das Unternehmen in bestem Einvernehmen. Vor und parallel zu seiner Tätigkeit bei ERLUS hatte er neun Jahre lang als Leiter Vertrieb und Marketing die Entwicklung der Firma Girnghuber (GIMA) in Marklkofen verantwortet.

Welche Herausforderungen stehen an?

Der Führungswechsel kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Baubranche steckt in einer Nachfragekrise, die vor allem den Neubau trifft. Dachziegelhersteller wie ERLUS spüren das unmittelbar: Ohne neue Dächer sinkt der Absatz. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb im Handel – die Konsolidierung im Ziegel- und Keramiksegment hat in den vergangenen Jahren Druck auf die Margen ausgeübt.

ERLUS konkurriert in Deutschland mit etablierten Herstellern wie Creaton und BMI/Braas um Marktanteile. Die Differenzierung erfolgt über Produktqualität, Verarbeitungsfreundlichkeit und Service – Bereiche, in denen Marketing und Vertrieb entscheidend sind. Für Wilhelm bedeutet das: Er muss nicht nur bestehende Händlerbeziehungen pflegen, sondern auch neue Absatzkanäle erschließen und die Marke ERLUS in einem schrumpfenden Markt positionieren.

Chancen durch Knauf-Erfahrung

Wilhelm bringt Erfahrung aus einem der größten privaten Baustoffkonzerne Europas mit. Knauf ist bekannt für effiziente Vertriebsstrukturen, digitale Verkaufstools und intensive Schulungsprogramme für Handwerker. Ob und wie schnell Wilhelm diese Strukturen auf ERLUS übertragen kann, bleibt offen. Die Unternehmenskultur bei einem mittelständischen Familienunternehmen wie ERLUS unterscheidet sich deutlich von der eines internationalen Konzerns.

Ein weiterer Vorteil: Wilhelm kennt die Bedürfnisse von Trockenbauprofis und Estrich-Legern aus seiner Tätigkeit bei Knauf Gips. Diese Zielgruppen überschneiden sich teilweise mit jenen, die auf der Baustelle Entscheidungen über Ziegel, Dachziegel und Klinker treffen. Cross-Selling-Potenziale zwischen Gips- und Ziegelprodukten sind zwar begrenzt, doch die Vertriebskanäle ähneln sich: Fachgroßhandel, Baustoffhändler, Direktgeschäft mit Bauträgern.

Wie reagiert der Markt?

Führungswechsel in dieser Größenordnung senden Signale an Lieferanten, Händler und Kunden. Eine kurze Verweildauer im Vorstand – Dietrich war nur knapp zwei Jahre bei ERLUS – kann bei Geschäftspartnern Fragen aufwerfen. ERLUS betont zwar das einvernehmliche Ausscheiden, doch die Branche wird genau beobachten, ob sich strategische Prioritäten ändern.

Andere Baustoffhersteller haben in den vergangenen Jahren ebenfalls Führungspositionen neu besetzt, um auf Marktveränderungen zu reagieren. Führungswechsel bei CEMEX und Personalrochaden bei Knauf zeigen: Die Branche befindet sich im Umbruch, getrieben von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kostendruck.

Was ändert sich für Verarbeiter und Planer?

Für Dachdecker, Maurer und Architekten dürfte sich kurzfristig wenig ändern. Die Produktpalette von ERLUS bleibt bestehen, Lieferzeiten und Service-Hotlines laufen weiter. Mittelfristig könnte Wilhelm jedoch neue Akzente setzen:

  • Digitale Vertriebskanäle: Knauf hat in den vergangenen Jahren stark in Online-Plattformen und BIM-Integration investiert. Wilhelm könnte ähnliche Initiativen bei ERLUS vorantreiben.
  • Schulungen und Praxistage: Knauf ist bekannt für intensive Schulungsprogramme. ERLUS könnte sein Angebot für Verarbeiter ausbauen, um Produktvorteile besser zu vermitteln.
  • Nachhaltigkeitskommunikation: Die Ziegelindustrie steht unter Druck, ihren CO₂-Fußabdruck zu senken. Wie ERLUS seine Nachhaltigkeitsstrategie kommuniziert, wird auch vom Vertrieb abhängen.

Praxis-Take-away

Der Vorstandswechsel bei ERLUS markiert einen strategischen Neuanfang: Mit Andreas Wilhelm holt sich das Unternehmen Vertriebserfahrung aus einem der erfolgreichsten Baustoffkonzerne ins Haus. Für Verarbeiter und Planer bleibt abzuwarten, ob Wilhelm die Knauf-DNA auf ERLUS übertragen kann – und ob das mittelständische Unternehmen in einem schrumpfenden Markt davon profitiert. Beobachten Sie die Entwicklung: Neue Verkaufskanäle, digitale Tools oder Schulungsangebote könnten in den kommenden Monaten auf Sie zukommen. Nutzen Sie diese, um Ihre eigene Wettbewerbsposition auf der Baustelle zu stärken.

Quellen