Der Baustoffkonzern Holcim hat sich am britischen Technologieunternehmen Cloud Cycle beteiligt und treibt damit die Digitalisierung des Transportbetons voran. Cloud Cycle, 2019 gegründet, verwandelt das klassische Frischbeton-Geschäft in ein datengetriebenes System in Echtzeit: In-Truck-Sensoren, Edge-Computing und maschinelles Lernen überwachen und optimieren die Betonqualität kontinuierlich – während des Transports und bis zur Übergabe an der Baustelle.
Für Holcim schließt die Technologie eine Lücke, die in der Branche seit Langem als kritisch gilt. Bislang endete die verlässliche Qualitätskontrolle weitgehend am Werkstor; was auf dem Weg zur Baustelle mit der Mischung geschah, ließ sich nur eingeschränkt nachvollziehen. Cloud Cycle erweitert die Überwachung nun zu einer durchgängigen Kontrolle vom Werk bis zum Einbauort – mit weniger zurücklaufendem Beton, präziserer Steuerung der Mischung und damit geringeren Materialverlusten.
Die Lösung ist bereits im Praxiseinsatz: Nach Angaben des Unternehmens sind mehr als 150 Fahrmischer von Holcim in Großbritannien, Italien und der Schweiz mit der Technologie ausgestattet. Die aktuelle Investition soll den Rollout über die globale Flotte hinweg beschleunigen.
Cloud Cycle fügt sich in eine breitere KI-Strategie des Konzerns ein und ergänzt bestehende Werkzeuge wie Q-Predict, mit dem sich Zementeigenschaften in Echtzeit vorhersagen lassen. Zusammen zielen die Systeme darauf, Qualität, betriebliche Effizienz und Kundenerlebnis über die gesamte Wertschöpfungskette des Betons hinweg zu verbessern.
Eine zentrale Rolle spielt der Nachhaltigkeitsaspekt. Weniger Rückläufer bedeuten weniger verschwendeten Beton – und damit einen niedrigeren CO₂-Fußabdruck pro tatsächlich verbautem Kubikmeter. Die genauere Mischungssteuerung unterstützt zudem den Einsatz CO₂-reduzierter und zirkulärer Betonlösungen wie der ECOCycle-Reihe, die Holcim als Kern seiner Dekarbonisierungsstrategie positioniert.
„Jeder Lkw, der unsere Werke verlässt, erzeugt Daten, mit denen sich die Qualität unseres Betons, unsere eigenen Abläufe und das Erlebnis unserer Kunden verbessern lassen“, sagt Ram Muthu, Head of Operational Excellence bei Holcim. „Mit Cloud Cycle können wir diese Daten in großem Maßstab und in Echtzeit erfassen und die Qualitätsüberwachung über das Werk hinaus bis zum Übergabepunkt ausdehnen.“
Für die Baustoffbranche ist der Schritt in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Erstens verlagert er die Qualitätssicherung von der punktuellen Laborprobe hin zu einer kontinuierlichen, sensorgestützten Messung im laufenden Betrieb – ein Muster, das sich in anderen Industrien längst durchgesetzt hat, im Transportbeton aber noch am Anfang steht. Zweitens zeigt er, dass die großen Hersteller Digitalisierung und Dekarbonisierung zunehmend zusammendenken: Datenqualität wird zum Hebel für Materialeffizienz und Klimabilanz gleichermaßen.
Offen bleibt, wie schnell sich die Technologie über die drei Pilotmärkte hinaus skalieren lässt und ob mittelständische Betonhersteller – die das Gros des europäischen Marktes ausmachen – bei vergleichbaren Lösungen nachziehen. Für Holcim ist die Richtung gesetzt: weg vom reinen Materiallieferanten, hin zum datengetriebenen Anbieter, der Qualität bis zur letzten Rutsche sichern will.
Quelle: Holcim Ltd, Unternehmensmitteilung vom 9. September 2026.
