Die Schweizer Gruppe Holcim beschleunigt ihren Weg zur Herstellung von Zement mit reduzierter Klimawirkung durch einen mehrjährigen Plan, der die Nachrüstung bestehender Anlagen mit Kohlenstoffabscheidungstechnologien (CCS) und die Erhöhung des Anteils von Zusatzbindemitteln in Zementformulierungen nach CEM II und CEM III vorsieht. Die Strategie konzentriert sich auf die Reduzierung des Klinker-Faktors, einem Schlüsselparameter zur Senkung der CO₂-Emissionen in der Zementproduktion, die derzeit etwa 8% der globalen Kohlendioxidemissionen ausmachen.
Nach Angaben der Gruppe besteht das mittelfristige Ziel darin, bis 2030 eine Verringerung der spezifischen Emissionen pro Tonne Zement um 30% gegenüber den Referenzwerten von 1990 zu erreichen, mit Fokus auf europäische und nordamerikanische Märkte. Der Plan umfasst die verstärkte Nutzung von Hochofenschlacke (GGBFS) und Kohleflugasche als Teilersatz für Klinker sowie die Einführung von Alternativbrennstoffen aus Biomasse in Drehrohröfen. Holcim entwickelt zudem Zemente mit optimierten Formeln für spezifische Anwendungen, die Dosierungsreduktionen von bis zu 15% in Strukturbeton der Festigkeitsklasse C30/37 ermöglichen und die Einhaltung der Norm DIN EN 206 gewährleisten.
Der Schritt von Holcim ist nicht isoliert: Andere große europäische Hersteller reagieren mit parallelen Initiativen. Heidelberg Materials hat Investitionen in CCS-Anlagen in Deutschland und Norwegen angekündigt, während CEMEX die Produktion von schlackenbasierten Zementen im DACH-Markt erweitert. Die Einführung von zertifizierten Umweltproduktdeklarationen (EPD) wird zum Industriestandard, zunehmend gefordert von öffentlichen Auftraggebern und Planern, die an DGNB-Zertifizierungen oder gleichwertigen arbeiten.
Aus regulatorischer Sicht wird der EU-Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismus (CBAM) schrittweise in Kraft treten und Zölle auf Importe von Klinker und Zement aus Ländern mit schwächeren Emissionsvorschriften verhängen. Dies wird einen Wettbewerbsvorteil für europäische Hersteller schaffen, die in emissionsarme Technologien investieren. Für Planer wird die Wahl der Zementart und die Überprüfung der Expositionsklasse nach Eurocode 2 zunehmend auch unter dem Aspekt der zertifizierten Nachhaltigkeit relevant, nicht nur für die Dauerhaftigkeit der Konstruktion.
Das Thema Dekarbonisierung im Zementsektor wird ausführlich im Artikel Beton und Zement DACH 2026: CEM-Klassen, CO₂-Reduktion und Marktentwicklung behandelt, der die Entwicklung der Zementklassen und Emissionsreduktionsstrategien auf dem deutschen, österreichischen und Schweizer Markt analysiert. Weitere Details zur spezifischen Strategie von Holcim finden sich in der Analyse Holcim: Dekarbonisierungsstrategie als Marktchance in der D-A-CH-Region.