Der Göppinger Hersteller Kleemann, Teil der Wirtgen Group, rüstet seine mobilen Brechanlagen und Siebanlagen mit neuen Technologien für mehr Nachhaltigkeit aus. Die Ankündigung wirft grundlegende Fragen auf: Wie konkret sind die technischen Verbesserungen? Lassen sich Energieverbrauch und Emissionen wirklich messbar senken? Und vor allem: Wie positioniert sich Kleemann damit gegen etablierte Konkurrenten wie Metso oder Sandvik?

Technologiesprung oder Marketingoffensive?

Mobile Brech- und Siebanlagen gehören zu den energieintensivsten Maschinen auf Baustellen und in Recyclinganlagen. Die Aufbereitung von Gestein und Bauschutt verschlingt erhebliche Mengen Dieselkraftstoff, während gleichzeitig der Druck auf Betreiber wächst, CO₂-Emissionen zu reduzieren. Kleemann verspricht nun Effizienzsteigerungen durch optimierte Antriebskonzepte und intelligentere Prozesssteuerung. Die zentrale Frage dabei: Handelt es sich um evolutionäre Verbesserungen bestehender Komponenten oder um einen grundlegenden Technologiesprung?

Konkrete Zahlen zu Kraftstoffeinsparungen oder Emissionsreduktionen bleiben in der Ankündigung allerdings rar. Betreiber von Backenbrechern und Prallbrechern interessieren sich jedoch weniger für abstrakte Nachhaltigkeitsversprechen als vielmehr für messbare Betriebskostensenkungen. Ein durchschnittlicher mobiler Brecher verbraucht je nach Auslastung zwischen 25 und 40 Liter Diesel pro Stunde. Selbst eine zehnprozentige Einsparung würde sich bei Dauereinsatz innerhalb weniger Monate im Return on Investment niederschlagen.

Wettbewerbsposition im Premium-Segment

Im Markt für mobile Aufbereitungstechnik konkurriert Kleemann mit etablierten Anbietern wie Metso aus Finnland und Sandvik aus Schweden. Beide Hersteller verfügen über Jahrzehnte an Erfahrung im Bergbau und in der Materialaufbereitung, während Kleemann traditionell im Bausektor verwurzelt ist. Die Zugehörigkeit zur Wirtgen Group, die wiederum zu John Deere gehört, verschafft Kleemann Zugang zu umfassenden digitalen Plattformen und Antriebstechnologien.

Metso hat bereits konkrete Elektrifizierungsschritte unternommen und bietet Hybridantriebe für ausgewählte Brechanlagen an. Sandvik positioniert sich ebenfalls mit elektrifizierten Modellen und verweist auf Emissionsreduktionen von bis zu 70 Prozent im Vergleich zu rein dieselbetriebenen Maschinen. Kleemann muss in diesem Umfeld klare Differenzierungsmerkmale schaffen – sei es durch überlegene Mobilität, einfachere Wartung oder nachweislich niedrigere Betriebskosten pro Tonne aufbereitetem Material.

Recycling als Wachstumstreiber

Ein wesentlicher Markt für mobile Aufbereitungsanlagen liegt im Bauschuttrecycling. Die EU-Taxonomie und nationale Kreislaufwirtschaftsstrategien treiben die Nachfrage nach vor Ort aufbereitetem Recyclingmaterial. Kleemann hat hier einen strukturellen Vorteil: Die Maschinen sind auf häufige Standortwechsel und wechselnde Materialqualitäten ausgelegt, während stationäre Anlagen deutlich weniger flexibel sind.

Parallel dazu wächst der Druck, auch auf kleineren Baustellen ressourcenschonend zu arbeiten. Mobile Anlagen ermöglichen die Aufbereitung direkt am Ort des Abbruchs, wodurch Transportkosten und -emissionen entfallen. In Kombination mit optimierten Dieselmotoren der neuesten Emissionsklassen und möglichen Hybridantrieben könnte Kleemann hier Marktanteile gewinnen – vorausgesetzt, die Investitionskosten bleiben im Rahmen.

Die ROI-Frage: Was rechnet sich für Betreiber?

Für Betreiber von Brech- und Siebanlagen entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit an drei Faktoren: Anschaffungspreis, Betriebskosten und Verfügbarkeit. Eine effizientere Maschine, die 15 Prozent mehr kostet, aber 20 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht, amortisiert sich bei Dauereinsatz innerhalb von zwei bis drei Jahren. Entscheidend ist jedoch auch die Ausfallsicherheit: Jede Stillstandstunde kostet Geld, insbesondere bei zeitkritischen Bauprojekten.

Kleemann muss daher nicht nur die Effizienz seiner Maschinen steigern, sondern auch deren Wartungsfreundlichkeit und Ersatzteilversorgung optimieren. Digitale Flottenmanagement-Systeme, wie sie bereits von Volvo CE oder Caterpillar angeboten werden, ermöglichen vorausschauende Wartung und reduzieren ungeplante Ausfälle. Ob Kleemann hier ein eigenes System entwickelt oder auf die Deere-Plattform setzt, bleibt abzuwarten.

Alternative Antriebe: Elektrifizierung oder Wasserstoff?

Während die Baumaschinenbranche zunehmend auf Elektrifizierung setzt, stellt sich bei mobilen Aufbereitungsanlagen die Frage nach der Praktikabilität. Stationäre Anlagen lassen sich problemlos ans Stromnetz anschließen, doch mobile Einheiten benötigen entweder große Batteriekapazitäten oder leistungsfähige Generatoren. Hybridantriebe, die den Dieselmotor mit elektrischen Antriebskomponenten kombinieren, bieten einen Zwischenweg: Sie ermöglichen Lastspitzenglättung und Energierückgewinnung, ohne auf die Reichweite und Autonomie eines Dieselantriebs zu verzichten.

Wasserstoffantriebe bleiben vorerst Zukunftsmusik. Die Infrastruktur für Wasserstofftankstellen ist außerhalb von Pilotprojekten kaum vorhanden, und die Kosten pro Kilowattstunde liegen deutlich über denen von Diesel. Für Kleemann dürfte der pragmatische Weg über optimierte Dieselmotoren, selektive Hybridisierung und perspektivisch vollelektrische Modelle für stationäre oder netznahe Einsätze führen.

Marktausblick: Konsolidierung oder Differenzierung?

Der Markt für Aufbereitungstechnik steht vor einer Konsolidierungsphase. Große Konzerne wie Metso, Sandvik oder die Wirtgen Group verfügen über die Ressourcen, um in Forschung und Entwicklung zu investieren. Kleinere Anbieter geraten zunehmend unter Druck, da sie weder die Entwicklungskosten für neue Antriebstechnologien noch die globalen Service-Netzwerke stemmen können. Kleemann profitiert hier von der Deere-Zugehörigkeit, muss sich aber gleichzeitig gegenüber den eigenständigen Konkurrenten differenzieren.

Die angekündigte Nachhaltigkeitswende wird sich letztlich daran messen lassen müssen, ob Kleemann konkrete, messbare Verbesserungen liefern kann – nicht nur bei den Emissionen, sondern auch bei den Gesamtbetriebskosten. Betreiber werden genau rechnen, bevor sie in neue Maschinen investieren. Vage Nachhaltigkeitsversprechen reichen nicht mehr; gefragt sind Zahlen, Daten und Fakten.