Die Europäische Union hat Wienerberger gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) mit dem Net-Zero Industries Award ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt konkrete Fortschritte bei der Dekarbonisierung von Brennprozessen in der Ziegel-Produktion – ein Segment, das aufgrund der erforderlichen Brenntemperaturen von über 1000 Grad Celsius zu den energieintensivsten Bereichen der Baustoffindustrie zählt.

Die Auszeichnung fokussiert auf technologische Lösungen zur Prozessoptimierung im Tunnelofenbetrieb. Dabei geht es um die Reduktion des Energiebedarfs durch verbesserte Wärmerückgewinnung, optimierte Brennkurven und den Einsatz alternativer Energieträger. Wienerberger arbeitet gemeinsam mit dem AIT an der Integration von Wasserstoff und Biomasse in bestehende Produktionsanlagen – eine zentrale Herausforderung für die Transformation der keramischen Industrie.

Der Award signalisiert die wachsende politische Priorität der EU für industrielle Dekarbonisierung. Anders als bei Auszeichnungen für reine Forschungsprojekte werden hier bereits implementierte oder unmittelbar umsetzbare Lösungen prämiert. Das unterstreicht den Druck auf Baustoffhersteller, nicht nur klimaneutrale Ziele zu formulieren, sondern operative Veränderungen in der Produktion nachzuweisen.

Für die Ziegelbranche ist die Energiewende besonders komplex: Der Brennprozess macht rund 80 Prozent des Energieverbrauchs in der Klinker- und Ziegelherstellung aus. Während in der Zementindustrie bereits Pilotprojekte mit elektrifizierten Öfen laufen, ist die Umstellung bei Ziegeln technisch anspruchsvoller. Die Kooperation zwischen Wienerberger und AIT konzentriert sich daher auf hybride Ansätze, die fossile Energieträger schrittweise substituieren.

Die Auszeichnung reiht sich in eine Serie strategischer Initiativen des Konzerns ein. Erst kürzlich hat Wienerberger mit der Übernahme von Creaton seine Marktposition im Dachziegelsegment gestärkt. Die Kombination aus Marktkonsolidierung und Investitionen in klimaneutrale Produktionstechnologie zeigt die doppelte Strategie des Unternehmens: Skalierung bei gleichzeitiger technologischer Differenzierung.

Der Net-Zero Industries Award dürfte auch regulatorischen Rückenwind bringen. Die EU-Kommission bereitet verschärfte Vorgaben für energieintensive Industrien vor, die ab 2030 greifen sollen. Unternehmen mit nachweisbaren Dekarbonisierungsfortschritten könnten bei Förderprogrammen und Zertifizierungen bevorzugt werden – ein Wettbewerbsvorteil, der über die symbolische Wirkung einer Auszeichnung hinausgeht.