Eine Zusammenarbeit, die einen Wendepunkt in der Dekarbonisierung der Zementindustrie markieren könnte: Der schwedische Stahlkonzern SSAB und der deutsche Zementhersteller Heidelberg Materials haben ein gemeinsames Projekt zur Entwicklung nachhaltiger Zementbinder aus Nebenprodukten der Stahlverarbeitung gestartet. Die Initiative ist Teil der Kreislaufwirtschaftsstrategie beider Unternehmen und zielt darauf ab, die CO₂-Emissionen entlang der gesamten Lieferkette von Baustoffen drastisch zu reduzieren.
Das Projekt konzentriert sich auf die Verwertung von Stahlschlacke, einem Sekundärmaterial, das bisher nur teilweise als Klinkerersatz in der Zementproduktion verwendet wurde. Durch innovative Behandlungs- und Aktivierungsprozesse beabsichtigen SSAB und Heidelberg Materials, Binder mit technischen Eigenschaften zu entwickeln, die denen von Normzementen nach CEM II oder CEM III entsprechen, aber mit einem deutlich reduzierten CO₂-Fußabdruck. Die Zusammenarbeit sieht Großversuche vor, um die Normkonformität nach DIN EN 197-1 zu validieren und die Kompatibilität mit den Expositionsklassen gemäß DIN EN 206 zu gewährleisten.
Für SSAB stellt das Projekt einen Baustein der Dekarbonisierungsstrategie des gesamten Produktionsprozesses dar, der auch den Übergang zur Produktion von grünem Stahl durch Wasserstoff-Direktreduktion umfasst. Die bei diesem Prozess anfallenden Schlacken weisen chemisch-physikalische Eigenschaften auf, die sich von denen traditioneller Hochöfen unterscheiden, mit einem Gehalt an reaktiven Oxiden, die die Bindemitteleigenschaften bei entsprechender Verarbeitung verbessern könnten. Heidelberg Materials wiederum strebt danach, den Klinker-Faktor in seinen Zementprodukten zu reduzieren und sein Portfolio kohlenstoffarmer Binder zu erweitern, in Übereinstimmung mit den europäischen Zielen der Klimaneutralität bis 2050.
Die Partnerschaft ist besonders relevant im Kontext der europäischen Regulierung: Mit dem Inkrafttreten des CBAM-Mechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism) müssen Zement- und Stahlhersteller die in den Materialien enthaltenen Emissionen bilanzieren und ausgleichen. Die Entwicklung von Zementbindern aus Stahlschlacke mit zertifizierten Umweltproduktdeklarationen (EPD) könnte Planern und Bauherren eine konkrete Alternative bieten, um den CO₂-Fußabdruck von Gebäuden zu reduzieren, besonders im Bereich der Kreislaufwirtschaft und grüner öffentlicher Beschaffung.
Den verfügbaren Daten zufolge ist die globale Zementindustrie für etwa 8% der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich, hauptsächlich aufgrund der Klinkerkalzinierung. Der teilweise oder vollständige Ersatz von Klinker durch supplementäre Zementeersatzstoffe (SCM) aus industriellen Nebenprodukten stellt einen der wirksamsten Hebel dar, um die Umweltauswirkungen des Sektors zu verringern. Ähnliche Projekte wie das zwischen SSAB und Heidelberg Materials für ein auf Stahlschlacke basierendes Kreislaufmodell gewinnen in ganz Europa an Dynamik und signalisieren einen Paradigmenwechsel in der Produktion von kohlenstoffarmen Betonen.