Der Schweizer Hersteller Stahlton Bauteile erweitert sein Portfolio um das Wandsystem Ecomur flexPhon, eine Schallschutzlösung für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. Das System basiert auf Betonfertigteilen und richtet sich an Planer und Bauunternehmen, die erhöhte Anforderungen an die Schalldämmung zwischen Wohneinheiten erfüllen müssen. Die Lösung kombiniert tragende Funktionen mit akustischer Entkopplung in einem vorgefertigten Bauteil.
Aufbau und technisches Konzept
Das Ecomur flexPhon besteht aus zwei Beton-Schalen, die über ein elastisches Zwischenelement miteinander verbunden sind. Diese Entkopplung soll Körperschall reduzieren und höhere Schalldämmwerte ermöglichen als einschalige Massivwände gleicher Dicke. Das Funktionsprinzip ähnelt dem von zweischaligen Trennwänden im Trockenbau, wird hier jedoch in ein massives Fertigteilsystem übertragen.
Die Wandelemente werden werkseitig vorgefertigt und auf der Baustelle montiert. Durch die Vorfertigung entfallen Trocknungszeiten und aufwendige Nacharbeiten vor Ort. Laut Stahlton lässt sich das System in bestehende Planungsprozesse integrieren, da die statischen Eigenschaften des Stahlbetons erhalten bleiben und somit keine zusätzlichen Tragkonstruktionen erforderlich sind.
Schalldämmung im Wohnungsbau: Normative Anforderungen
Im mehrgeschossigen Wohnungsbau gelten in der Schweiz und Deutschland strenge Anforderungen an den Schallschutz zwischen Wohneinheiten. Die SIA 181 (Schweiz) und DIN 4109 (Deutschland) definieren Mindestanforderungen, die in der Praxis häufig durch erhöhte Schallschutzklassen übertroffen werden müssen – insbesondere im gehobenen Wohnungsbau oder bei Umnutzungen.
Konventionelle einschalige Massivwände aus Kalksandstein oder Beton erreichen bei 24 cm Dicke typischerweise bewertete Schalldämm-Maße (Rw) zwischen 54 und 58 dB. Zweischalige Systeme, etwa mit Gipskartonplatten auf Ständerwerk oder entkoppelten Betonschalen, können Werte über 60 dB erzielen – jedoch oft mit erhöhtem Platzbedarf oder aufwendiger Montage.
Das Ecomur flexPhon positioniert sich in dieser Lücke: Es bietet laut Herstellerangaben Schalldämmwerte, die über denen einschaliger Massivwände liegen, bei gleichzeitig schlankerem Wandaufbau als zweischalige Trockenbaukonstruktionen. Konkrete Prüfwerte nach ISO 10140 oder EN 12354 liegen bislang nicht öffentlich vor, dürften jedoch für Planer entscheidend sein.
Fertigteilbauweise als Effizienzfaktor
Die Vorfertigung von Wandelementen gewinnt im Wohnungsbau an Bedeutung, da sie Bauzeiten verkürzt und die Abhängigkeit von Witterung und Fachkräftemangel reduziert. Stahlton setzt dabei auf ein modulares System: Die Wandelemente werden in verschiedenen Längen und Höhen angeboten und lassen sich an die jeweilige Gebäudegeometrie anpassen.
Ein Vorteil gegenüber Ortbeton-Lösungen ist die gleichbleibende Qualität aus der Werksproduktion. Die akustische Entkopplung wird bereits im Fertigungsprozess hergestellt, sodass auf der Baustelle keine zusätzlichen Dämm- oder Entkopplungsschichten eingebaut werden müssen. Das reduziert Fehlerquellen bei der Ausführung und erleichtert die Qualitätskontrolle.
Im Vergleich zu Trockenbau-Lösungen bietet das Betonfertigteil zudem Vorteile bei Brandschutz und mechanischer Belastbarkeit. Massive Wände der Baustoffklasse A1 (nicht brennbar) erfordern keine zusätzlichen Brandschutzmaßnahmen zwischen Wohneinheiten, während Ständerwände mit Gipsplatten oft auf mehrlagige Beplankungen angewiesen sind.
Markteinordnung: Wettbewerb im Schallschutz-Segment
Das Segment Schallschutz-Wandsysteme ist im DACH-Raum stark besetzt. Hersteller wie Knauf und Xella bieten ebenfalls Lösungen für erhöhte akustische Anforderungen an – allerdings meist in Form von Trockenbausystemen oder Porenbeton-Elementen. Auch im Bereich Fertigteilwände gibt es etablierte Anbieter, die auf zweischalige Konstruktionen setzen.
Stahltons Ansatz unterscheidet sich durch die Integration von Tragfunktion und Schallschutz in einem kompakten Bauteil. Das könnte insbesondere für Projekte interessant sein, bei denen Grundrisseffizienz eine Rolle spielt – etwa im urbanen Wohnungsbau, wo jede eingesparte Zentimeter Wanddicke zusätzliche Wohnfläche bedeutet.
Ob sich das System am Markt durchsetzt, hängt jedoch nicht nur von technischen Eigenschaften ab, sondern auch von Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit. Fertigteilsysteme erfordern eine präzise Planung und Logistik, zudem sind sie auf Großprojekte oder serielle Bauweisen besser skalierbar als auf Einzelvorhaben.
Anwendungsfelder und Zielgruppen
Das Ecomur flexPhon richtet sich primär an den mehrgeschossigen Wohnungsbau, wo Schallschutz zwischen Wohneinheiten eine zentrale Rolle spielt. Typische Einsatzbereiche sind Trennwände zwischen Wohnungen, aber auch zwischen Wohn- und Verkehrsflächen (Treppenhäuser, Flure). Auch bei Umnutzungen von Bestandsgebäuden könnte das System relevant sein, wenn bestehende Trennwände die aktuellen Schallschutznormen nicht mehr erfüllen.
Für Architekten und Planer bietet die Lösung den Vorteil, dass sie in frühen Planungsphasen bereits verbindliche Schalldämmwerte kalkulieren können – vorausgesetzt, Stahlton stellt entsprechende Prüfberichte und Bemessungsunterlagen bereit. Im Vergleich zu zweischaligen Ortbeton-Konstruktionen oder komplexen Trockenbausystemen reduziert sich der Planungsaufwand.
Für Bauunternehmen liegt der Nutzen in der schnelleren Montage und der Vermeidung von Trocknungszeiten. Gerade in Projekten mit engen Zeitplänen kann das ein entscheidender Faktor sein. Auch die Reduktion von Gewerke-Schnittstellen – Rohbau und Schallschutz kommen aus einer Hand – kann die Bauabwicklung vereinfachen.
Offene Fragen und Marktpotenzial
Bislang fehlen detaillierte Angaben zu Schalldämmwerten, Wanddicken und Preisspannen. Für eine abschließende Bewertung wären Prüfzeugnisse nach EN ISO 10140 sowie Informationen zu Lieferzeiten und Mindestabnahmemengen erforderlich. Auch die Verfügbarkeit in Deutschland und Österreich ist derzeit unklar – Stahlton Bauteile ist primär im Schweizer Markt aktiv.
Das Potenzial für Schallschutz-Wandsysteme im Wohnungsbau bleibt dennoch hoch. Mit steigenden Anforderungen an Wohnqualität und Verdichtung in urbanen Lagen wird akustische Entkopplung zum Standard. Systeme wie das Ecomur flexPhon könnten dabei helfen, diese Anforderungen wirtschaftlich und bautechnisch effizient umzusetzen.
Ob Stahltons Innovation den Markt verändert, hängt letztlich von der Praxisbewährung ab – und davon, wie schnell das System in Normung, Zulassung und Ausschreibungspraxis Eingang findet. Für Planer und Bauherren, die im mehrgeschossigen Wohnungsbau tätig sind, lohnt sich jedoch ein Blick auf die technischen Unterlagen. Weitere Informationen zu verwandten Produkten finden sich in unserem Bericht zur Akustik-Positionierung von Knauf.
