Thermische Trennung bezeichnet die gezielte Unterbrechung eines durchgehenden, gut wärmeleitenden Materials in einer Baukonstruktion durch ein Element mit niedriger Wärmeleitfähigkeit. Sie verhindert, dass Bauteile wie Stahlbetonplatten, Metallprofile oder Befestigungsanker eine ungedämmte Verbindung zwischen innen und außen bilden und dadurch als Wärmebrücke wirken.

Funktionsprinzip

An kritischen Anschlusspunkten – etwa auskragenden Balkonplatten, Fensteranschlüssen oder Fassadenbefestigungen – wird der Querschnitt des wärmeleitenden Materials durch einen Dämmkörper oder eine Isolierstegkonstruktion unterbrochen. Kräfte werden dabei nur noch über einzelne, speziell dimensionierte Verbindungselemente übertragen, nicht mehr über den vollen Bauteilquerschnitt. Dadurch sinkt der Temperaturgradient im durchlaufenden Bauteil, und die raumseitige Oberflächentemperatur steigt gegenüber einer ungedämmten Durchdringung an. Ein geringerer Wärmeabfluss an dieser Stelle reduziert zugleich den Heizwärmebedarf des Gebäudes.

Materialien und Bauteile

Bei auskragenden Stahlbetonbauteilen kommen vorgefertigte Dämmkörper mit integrierter, tragfähiger Bewehrung zum Einsatz, die die durchgehende Betonverbindung ersetzen. Im Fensterbau trennen Isolierstegprofile aus glasfaserverstärktem Polyamid die außen- und innenliegende Aluminiumschale eines Rahmenprofils; die Wärmeleitfähigkeit dieser Profile liegt herstellerabhängig im Bereich von 0,16 bis 0,25 W/(m·K). Bei Fassadenbefestigungen und Unterkonstruktionen übernehmen Distanzelemente aus glasfaserverstärktem Kunststoff oder thermisch entkoppelte Schraubsysteme die gleiche Funktion.

Bauphysikalische Anforderungen

DIN 4108-2 fordert für den Mindestwärmeschutz einen Temperaturfaktor fRsi, der so hoch liegt, dass die relative Luftfeuchte an der raumseitigen Bauteiloberfläche dauerhaft 80 % nicht überschreitet. Nur so wird Schimmelpilzbildung durch Tauwasserausfall an kritischen Anschlussstellen vermieden. DIN 4108 Beiblatt 2 enthält Planungsbeispiele für wärmebrückenreduzierte Konstruktionsdetails, auf die bei der Bemessung thermischer Trennungen Bezug genommen wird. Für den energetischen Nachweis eines Gebäudes nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) fließen Wärmebrückenzuschläge oder detaillierte Nachweise einzelner Anschlüsse in die Berechnung des Transmissionswärmeverlusts ein.

Anwendungsbereiche

Typische Einsatzorte sind auskragende Balkon- und Terrassenplatten, Attika- und Brüstungsanschlüsse, Fenster- und Türrahmen, Fassadenunterkonstruktionen sowie Durchdringungen von Stahlbauteilen durch die Gebäudehülle. In allen Fällen muss die thermische Trennung neben der Wärmeleitfähigkeit auch die statischen Lasten – Querkräfte, Momente, bei Balkonen zusätzlich Normalkräfte – zuverlässig übertragen.

Thermische Trennung in der Berichterstattung

Im Beitrag „Schöck Isokorb: Wie tragende Wärmedämmelemente Wärmebrücken an Balkonen minimieren“ wird das Funktionsprinzip am Beispiel auskragender Balkonplatten erläutert: Der Dämmkörper unterbricht die durchgehende Stahlbeton-Verbindung zwischen Innen- und Außenbauteil, während eingebettete Bewehrungsstäbe anstelle einer durchgehenden Bewehrung die erforderliche Tragfähigkeit sicherstellen.