Die Lebensdauer und Sicherheit eines Bauwerks hängen entscheidend von seiner Dichtigkeit ab. Abdichtungs- und Klebesysteme verhindern, dass Wasser in Tiefgeschosse eindringt, und sichern Behälter sowie Auffangwannen gegen Flüssigkeitsaustritte. Die Bauchemie bietet dafür ein breites Spektrum an Lösungen – von klassischen Fugendichtungen bis zu modernen Injektionssystemen für die nachträgliche Abdichtung.

Abdichtungssysteme bilden eine wasserundurchlässige Barriere gegen drückendes oder nicht drückendes Wasser. Im Hochbau schützen sie Betonbauten wie Keller, Parkhäuser oder Tunnelbauwerke. Im Tiefbau sichern sie Behälter, Kanäle und Trinkwasserspeicher.

Die Systeme lassen sich nach dem Abdichtungsprinzip und dem Einbauort klassifizieren: Die Weisse Wanne nutzt wasserundurchlässigen Beton mit ergänzenden Fugenbändern und Injektionsschläuchen. Die Gelbe Wanne arbeitet mit Kunststoffbahnen, die außenseitig auf die tragende Betonwand aufgebracht werden. Die Schwarze Wanne setzt auf bituminöse Abdichtungssysteme aus Bitumenbahnen oder Dickbeschichtungen. Ergänzend kommen mechanische Abdichtungselemente wie Fugenbänder, Injektionskanäle und Dichtschlämmen zum Einsatz.

Klebesysteme übertragen Kräfte, verbinden unterschiedliche Materialien und ersetzen zunehmend mechanische Verbindungen wie Schrauben oder Nieten. Im Fassadenbau kleben Strukturklebstoffe Metall- oder Glaselemente, im Holzbau verkleben Polyurethanklebstoffe Brettschichtholz-Lamellen. Im Innenausbau fixieren Parkett- und Fliesenkleber Fliesen, Bodenbeläge und Wandbekleidungen dauerhaft.

Die Klebstoffklassen unterscheiden sich nach chemischer Basis und Anwendung: Polyurethan-Klebstoffe härten durch Luftfeuchtigkeit aus und kleben Holz, Metall und Kunststoff. Epoxidharz-Systeme bieten hochfeste, chemikalienbeständige Lösungen für Beton- und Stahlverklebungen. MS-Polymere kombinieren hohe Elastizität mit guter Haftung auf mineralischen und metallischen Untergründen. Dispersionsklebstoffe sind wasserbasierte Systeme für nichtragende Anwendungen.

Die Einsatzgebiete reichen vom Neubau über Sanierung bis zur nachträglichen Instandsetzung. Tiefgeschosse, Tunnel und Verkehrsbauten erfordern zuverlässige Abdichtungskonzepte. Moderne Injektionssysteme verschließen Risse und Fugen nachträglich und können unter Wasser aushärten. Abdichtende Zusatzmittel werden direkt dem Frischbeton oder Frischmörtel beigemischt und reduzieren die Kapillarporosität. Fugen zwischen Bauteilen müssen Bewegungen aufnehmen und gleichzeitig dicht bleiben – elastische Dichtstoffe auf Polyurethan- oder Silikonbasis erfüllen diese Aufgabe an Fassadenelementen, Fenstern und Türen.