Mörtel- und Putzsysteme für Fassade und Innenausbau spielen eine zentrale Rolle in der Bauausführung. Sie dienen der Oberflächengestaltung, dem Schutz von Untergründen und der Erfüllung bauphysikalischer sowie brandschutztechnischer Anforderungen.
Mineralische Putzsysteme bestehen aus anorganischen Komponenten und werden in mehrschichtigen Aufbauten appliziert. Eine typische Fassadenkonfiguration besteht aus einem Unterputz zur Egalisierung und Rissüberbrückung, gefolgt von einem Oberputz mit definierter Körnung und Oberflächenstruktur. Die Abstimmung zwischen den Schichten – insbesondere hinsichtlich Festigkeit, Haftzugfestigkeit und Wasserdampfdurchlässigkeit – ist entscheidend für die Dauerhaftigkeit des Systems.
Bei der Verarbeitung sind Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Untergrundvorbereitung zu beachten. Mineralische Putze benötigen eine ausreichende Aushärtezeit und Nachbehandlung, um ihre normativen Eigenschaften zu erreichen. Systemhersteller stellen für jedes Produkt technische Merkblätter mit Verarbeitungshinweisen, Verbrauchswerten und Trocknungszeiten bereit.
Brandschutz ist ein wesentlicher Aspekt bei der Materialwahl. In der Schweiz regeln die seit 2015 gültigen revidierten Brandschutzvorschriften (BSV) die Klassifizierung von Baustoffen nach ihrem Brandverhalten. Die Einteilung erfolgt in vier Brandverhaltensgruppen: RF 1 für nicht brennbare Materialien wie Glas, Beton oder Gips, RF 2 für schwer brennbare Stoffe, RF 3 für mittel brennbare und RF 4 für leicht brennbare Materialien. Diese Klassifizierung berücksichtigt Entzündbarkeit, Flammenausbreitung, Brandgeschwindigkeit, Freisetzung von Wärme und Rauchentwicklung.
Putzsysteme müssen in der Verwendung technischen Standards genügen. Relevante Normen legen Kennwerte wie Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit, Haftzugfestigkeit und Wasserdampfdiffusionswiderstand fest. Für Fassadensysteme sind zudem bauphysikalische Nachweise zu führen, die das Zusammenspiel von Untergrund und Beschichtung abbilden.


