Eine Entwicklung, die den Infrastrukturbau nachhaltiger gestalten könnte: Im Rahmen der Sanierung des Wiental-Kanals in Wien kommt die Glasfaserbewehrung Schöck Combar zum Einsatz. Das Projekt zeigt, wie nichtmetallische Bewehrungslösungen Bewehrungskorrosion vermeiden und gleichzeitig die CO₂-Bilanz von Betonbauwerken verbessern können. Für Planer von Infrastrukturbauwerken in korrosiven Umgebungen eröffnet diese Technologie neue Perspektiven hinsichtlich Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit.
Der Wiental-Kanal gehört zur kritischen Abwasserinfrastruktur Wiens und ist aufgrund seiner Funktion dauerhaft feuchten Bedingungen und chemischen Belastungen ausgesetzt. Konventionelle Bewehrungsstähle sind in solchen Umgebungen anfällig für Korrosion, insbesondere wenn Chloride oder aggressive Abwässer die Betondeckung durchdringen. Die Folge: Abplatzungen, Festigkeitsverlust und kostenintensive Instandsetzungszyklen. Die Glasfaserbewehrung Combar von Schöck bietet hier eine materialspezifische Lösung: Sie ist vollständig korrosionsbeständig, da keine metallischen Bestandteile vorhanden sind. Damit entfällt das Risiko elektrochemischer Prozesse, die bei Stahlbewehrung zur Degradation führen.
Die Materialeigenschaften der Glasfaserbewehrung sind für den Wasserbau besonders relevant. Die Zugfestigkeit liegt bei rund 1.000 bis 1.200 N/mm², womit sie höher ausfällt als bei herkömmlichem Bewehrungsstahl der Klasse B500. Gleichzeitig beträgt die Rohdichte nur etwa ein Viertel der von Stahl, was Handhabung und Transport erleichtert. Der E-Modul ist mit circa 60.000 N/mm² niedriger als bei Stahl, was bei der statischen Bemessung zu berücksichtigen ist. Für Bauwerke in Expositionsklassen XC4, XD und XS – also bei Meerwasser-, Chlorid- oder Dauerdurchfeuchtung – kann die Verwendung von Glasfaserbewehrung die erforderliche Betondeckung reduzieren und somit Material einsparen.
Neben den technischen Vorteilen trägt die Glasfaserbewehrung auch zur Nachhaltigkeitsstrategie bei. Die Herstellung von Glasfasern erfordert deutlich weniger Energie als die Stahlproduktion, was die CO₂-Emissionen pro Tonne Bewehrung um bis zu 70 % senken kann. Zudem verlängert die korrosionsfreie Bewehrung die Lebensdauer von Infrastrukturbauten erheblich, was den Bedarf an Instandsetzungen und Ersatzbauwerken reduziert. Diese Aspekte sind im Kontext von zirkulärem Bauen und langfristigem Ressourcenmanagement von Bedeutung. Für öffentliche Auftraggeber, die zunehmend auf Lebenszykluskosten und Environmental Product Declarations achten, kann Glasfaserbewehrung eine wirtschaftlich attraktive Alternative darstellen.
Der Einsatz im Wiental-Kanal zeigt, dass sich die Technologie in der Praxis bewährt. Für Planer sollten dabei folgende Punkte beachtet werden: Die statische Bemessung muss den abweichenden E-Modul berücksichtigen, und es ist eine Prüfung der bauaufsichtlichen Zulassung erforderlich. In Deutschland ist Glasfaserbewehrung für tragende Bauteile über allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) geregelt. Die Verarbeitung erfordert angepasste Verbindungstechniken, da klassisches Verschweißen entfällt. Gleichzeitig bietet die Technologie erhebliches Potenzial für Infrastrukturbauten, bei denen Dauerhaftigkeit und Wartungsfreiheit im Vordergrund stehen – etwa bei Kläranlagen, Trinkwasserbehältern oder Küstenschutzbauten.