Die Estrich- oder Betonoberfläche muss eine definierte Mindestzugfestigkeit aufweisen, damit Beschichtungen, Beläge oder Fliesen haften. Die Oberflächenzugfestigkeit ist ein Kennwert für die Zugfestigkeit einer Fußbodenoberfläche. Das Prüfverfahren unterscheidet sich geräteseitig und ablauftechnisch nicht von der Haftzugprüfung – ermittelt aber die Kohäsion im Randbereich des Baustoffs statt die Adhäsion zwischen zwei Schichten.

Was unterscheidet Oberflächenzug- von Haftzugfestigkeit?

Oberflächenzugfestigkeit misst die innere Festigkeit einer oberflächennahen Baustoffschicht. Sie belegt, ob ein Untergrund stabil genug ist, um eine Folgeschicht aufzunehmen. Haftzugfestigkeit hingegen prüft den Verbund zwischen bereits miteinander verbundenen Schichten – etwa zwischen einer Beschichtung und dem Untergrund oder zwischen Mörtel und Fliese.

Beide Prüfungen nutzen dasselbe Messprinzip: Ein Prüfstempel wird auf die Oberfläche geklebt und senkrecht zur Fläche abgezogen. Die Haftzug-Abrissfestigkeit kann im Messwert nie höher liegen als die Eigenfestigkeit der einzelnen Komponenten – es gilt: βₕₖ ≤ min(βz₁, βz₂). Das schwächste Glied im Verbund bestimmt den Messwert.

Welche Normen regeln die Prüfung?

Für Estriche und Fußbodenkonstruktionen gilt DIN EN 13892-8 – Prüfverfahren für Estrichmörtel und Estrichmassen; Prüfung der Haftzugfestigkeit. Die Norm definiert Messfläche, Temperatur, Abzugsgeschwindigkeit und Prüfstempel. Weitere relevante Normen sind:

  • DIN EN ISO 4624: Beschichtungsstoffe – Abreißversuch zur Beurteilung der Haftfestigkeit
  • DIN EN 1542: Produkte und Systeme für den Schutz und die Instandsetzung von Betontragwerken – Prüfverfahren – Messung der Haftfestigkeit im Abreißversuch
  • DIN EN 13596: Abdichtungsbahnen – Abdichtungssysteme auf Beton für Brücken und andere Verkehrsflächen – Bestimmung der Abreißfestigkeit
  • DIN EN 1015-12: Prüfverfahren für Mörtel für Mauerwerk – Bestimmung der Haftzugfestigkeit von erhärtetem Putzmörtel

Bei Betontragwerken kommen die DAfStb-Richtlinie für Schutz und Instandsetzung sowie die ZTV-ING (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten; Teil 3: Massivbau; Abschnitt 4: Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen) hinzu.

Wie funktioniert die Prüfung?

Ein auf der Oberfläche des Prüfkörpers aufgeklebter Stempel wird mittels einer Zugprüfmaschine senkrecht zur Oberfläche gleichmäßig langsam bis zum Bruch abgezogen. Beim Abriss trennt sich die Beschichtung inklusive Stempel vom Prüfkörper. Die Klebung auf der Beschichtung muss stärker haften als die Beschichtung auf dem Prüfkörper, damit die Messung den tatsächlichen Oberflächenwiderstand erfasst.

Neben dem Messwert ist die Beschreibung des Bruchortes entscheidend: Wo genau ist der Bruch entstanden? Liegt der Bruch in der oberflächennahen Schicht des Estrichs, spiegelt der Wert die Oberflächenzugfestigkeit wider. Ein Bruch an der Grenzfläche zwischen zwei Schichten hingegen dokumentiert die Haftzugfestigkeit.

Welche Anforderungen gelten für Beschichtungen?

Für Estriche, die Reaktionsharzschichten oder -estriche aufnehmen sollen, gelten je nach Beanspruchung unterschiedliche Mindest-Oberflächenzugfestigkeiten. Bei Fahrbeanspruchung und im Außenbereich sind die Anforderungen höher. Auch Betonoberflächen für Verbundestriche müssen eine ausreichende Oberflächenzugfestigkeit aufweisen, um Abplatzungen und Hohllagen zu vermeiden.

Die Oberflächenzugfestigkeit von Estrichen und Beton hängt nicht nur von der Zusammensetzung und Ausführung ab, sondern entscheidend auch von der Nachbehandlung und den Umgebungsbedingungen. Bei gleicher Festigkeitsklasse können deutlich unterschiedlich feste Oberflächen entstehen – ein Faktor, der in der Ausschreibung oft unterschätzt wird.

Verbundestriche: Wann ist der Haftverbund ausreichend?

Bei Verbundestrichen muss der Verbund vorhanden sein. Kleinere Hohlstellen ohne Risse sind nicht zu beanstanden, sofern sie die Gebrauchstauglichkeit nicht beeinträchtigen. Die Prüfung dokumentiert, ob die Schichten geeignet aneinander haften und Abspaltungen zwischen den Schichten ausgeschlossen werden können.

Praktisch kommen automatisierte Haftzugprüfgeräte zum Einsatz, die mit rückgekoppeltem Motor eine konstante, verifizierbare Belastungsgeschwindigkeit sicherstellen. Moderne Geräte speichern Prüfdaten und übertragen sie zur Protokollierung. Der Messbereich liegt typischerweise zwischen 1,6 und 16 kN.

Weitere Informationen zu Anforderungen an Estrichmörtel und Estrichmassen sowie zu Schwind- und Quellschäden bei Estrichen finden Sie in unseren Fachartikeln.