Polyurethan-Injektionsharze (PUR-Harze) dienen der Abdichtung von Rissen und Hohlräumen in Beton- und Stahlbetonbauten. Bei Kontakt mit Wasser schwillt das injizierte Material schnell an und vergrößert sein Volumen um das 20- bis 25-fache. Diese Eigenschaft macht PUR-Injektionsharze zu einem bevorzugten Verfahren bei der Abdichtung gegen drückendes und nichtdrückendes Wasser – auch unter Last. Die Anwendung erstreckt sich von Wohngebäuden über Tiefgaragen und Kellerwände bis hin zu Infrastrukturbauwerken wie U-Bahn-Tunneln und Kläranlagen.
Was sind Polyurethan-Injektionsharze und wie funktionieren sie?
Polyurethan-Injektionsharze sind ein- oder zweikomponentige Materialien auf Basis von Polyurethan, die als wasserisolierender Schaum definiert werden können. Das Verfahren wird eingesetzt, wenn Risse und Wasserlecks von außen nicht genau lokalisiert oder behoben werden können. Dabei wird das Harz mit spezieller Ausrüstung und unter Druck in Risse, Kaltfugen oder Hohlräume injiziert. Das injizierte Material reagiert bei Kontakt mit Feuchtigkeit, härtet aus und bildet eine dauerhafte, flexible Abdichtung.
Neben PUR-Harzen gibt es auch Epoxidharz-basierte Injektionssysteme. Epoxidharze dienen vor allem der kraftschlüssigen Verbindung bei der statischen Sanierung tragender Bauteile aus Stahlbeton. Sie sind besonders widerstandsfähig gegenüber Ölen, Laugen, vielen Säuren und anderen Chemikalien und werden daher bevorzugt in Kläranlagen oder Industrieflächen eingesetzt.
Eigenschaften und technische Merkmale
Die breite Verwendung von Polyurethan-Injektionsharzen beruht auf mehreren technischen Eigenschaften:
- Hohe Volumenzunahme: Das Material reagiert bei Wasserkontakt schnell und vergrößert sein Volumen um das 20- bis 25-fache.
- Schnelle Aushärtung: Die Aushärtungszeit wird in Sekunden gemessen, wodurch schnelle Ergebnisse sichtbar werden.
- Flexibilität: Die Harze sind flexibel genug, um sich strukturellen Bewegungen, Erschütterungen, Vibrationen und dynamischen Lasten anzupassen. Auch nach Setzungen des Gebäudes bleibt die Abdichtung funktionsfähig.
- Hohe Haftkraft: PUR-Harze haften dauerhaft an Beton- und Steinoberflächen, was die Langlebigkeit der Anwendung sichert.
- Wasserdichtigkeit: Nach der Aushärtung lässt das Material kein Wasser durch.
- Hohe Eindringfähigkeit: Besonders dünnflüssige Injektionsharze verfügen über eine hohe Eindringfähigkeit und ermöglichen das Füllen selbst feinster Haarrisse.
Anwendungsbereiche im Bauwesen
Polyurethan-Injektionsharze kommen bei der Bauwerksabdichtung gegen drückendes und nichtdrückendes Wasser zum Einsatz – auch unter Last. Typische Anwendungsfelder umfassen:
- Abdichtung von Tiefgaragen, Kellerwänden, Kläranlagen und Tunneln vor Wassereintritt
- Rissinstandsetzung in Decken, Wänden und Fundamenten – horizontal wie vertikal
- Verschließen von Rissen und Kaltfugen zwischen Wand und Beton
- Bodenstabilisierung in Tunnel-, U-Bahn- und Dammbauten
- Sanierung von Industrieanlagen und großen Stahlbetonbauten
Das Verfahren wird eingesetzt, wenn Risse und Wasserlecks von außen nicht zugänglich sind oder deren Ursprung nicht genau festgestellt werden kann. Ohne Wände aufbrechen zu müssen, werden Mikro-Risse und kapillare Strukturen komplett verschlossen.
Verarbeitung: Bohren, Injizieren, Aushärten
Die Anwendung von Polyurethan-Injektionsharzen gliedert sich in mehrere Schritte. Zunächst werden die Stellen mit Wasserleckagen oder Rissen im Beton sorgfältig untersucht und lokalisiert. In den Bereichen mit Rissen werden in Abständen von 30 bis 40 cm Bohrlöcher mit einem Winkel von etwa 45 Grad gebohrt, um eine möglichst große Betonfläche zu erreichen. Nach dem Bohren werden spezielle Injektionspacker in die Löcher eingesetzt. Anschließend wird das Polyurethanharz mit einer Injektionspumpe unter Druck in die Risse und Hohlräume eingepresst. Das Material schwillt beim Kontakt mit Feuchtigkeit schnell an und füllt alle Hohlräume effektiv aus. Nach der Aushärtung ist die Rissverfüllung dauerhaft kraftschlüssig verbunden und gegen das Eindringen von Feuchtigkeit geschützt.
Normen und Systemlösungen
Bei der Rissinstandsetzung mittels Injektionsharzen auf Epoxid- oder Polyurethanbasis kommen ausschließlich zugelassene Materialien nach EN 1504-5 sowie geprüfte Injektionsverfahren zum Einsatz. Die Norm EN 1504-5 legt Anforderungen an Produkte und Systeme für die Injektion von Beton fest. Die gezielte Anpassung des Materials erfolgt je nach Rissbreite, vorhandenem Untergrund und zu erwartender Belastung: Entweder kommt ein starres (Epoxidharz) oder ein flexibles (Polyurethan) Harzsystem zum Einsatz, um eine dauerhafte und fachgerechte Rissverfüllung sicherzustellen.
Nachhaltigkeitsaspekte und Langlebigkeit
Mit Injektionsharz abgedichtete Risse sind dauerhaft kraftschlüssig verbunden und zuverlässig gegen das Eindringen von Feuchtigkeit geschützt. Die Langlebigkeit der Sanierung hängt von der korrekten Materialwahl, fachgerechten Verarbeitung und den objektspezifischen Gegebenheiten ab. Durch die gezielte und dauerhafte Abdichtung wird die Bausubstanz vor Wasserschäden, Korrosion der Bewehrung und strukturellen Schäden geschützt. Dies trägt zur Verlängerung der Lebensdauer von Bauwerken bei und vermeidet kostenintensive Folgeschäden. Weitere Informationen zu bauchemischen Lösungen finden Sie im Artikel Hydrophobierung von Fassaden: Wie wasserabweisende Imprägnierung Schlagregen stoppt.