Ein österreichisches Konsortium bestehend aus dem Baukonzern PORR, dem Hersteller von Dämmstoffen Austrotherm, dem Spezialisten für Putze und Mörtel Baumit und dem Technologie-Startup ORBIS Development hat ein Pilotprojekt gestartet, um neue Konstruktionsmethoden zu entwickeln und zu testen, die wirtschaftliche Rentabilität mit Reduktion des CO₂-Fußabdrucks verbinden. Das Projekt zeichnet sich durch einen integrierten Ansatz aus: Anstatt sich auf die Optimierung eines einzelnen Materials zu konzentrieren, anstreben die Partner eine systematische Integration bewährter Lösungen — recyceltes EPS, Mineralputze mit optimiertem hydraulischem Bindemittel und digitale Planungswerkzeuge — in reproduzierbare Bauprozesse.

Für Austrotherm fügt sich diese Zusammenarbeit in seine Kreislaufwirtschafts-Strategie ein. Der Hersteller betreibt seit kurzem eine Recyclinganlage für EPS im geschlossenen Kreislauf, die es ermöglicht, Baustellen-Verschnitte und Dämmstoffe aus dem Rückbau in den Produktionszyklus zurückzuführen. Das Ziel des Pilotprojekts ist nun zu zeigen, dass diese recycelten Materialien die gleiche thermische Leistung (λ-Wert um 0,032 W/mK nach EN 13163) und die gleiche behördliche Konformität (Brandklasse E nach EN 13501-1) wie Neumaterial erreichen, während gleichzeitig die mit der Herstellung verbundene graue Energie um 30 bis 50 % reduziert wird.

Baumit wiederum bringt seine Expertise in Putzsystemen und WDVS (Wärmedämm-Verbundsysteme) ein, einem Bereich, in dem die Koordination zwischen Dämmstoff, mechanischer Befestigung, Grundputz und Oberflächenschicht für die langfristige Haltbarkeit ausschlaggebend ist. Die Versuche konzentrieren sich insbesondere auf die chemische und mechanische Verträglichkeit zwischen recycelten Unterlagen und Systemkomponenten sowie auf die Beständigkeit gegen Frost-Tau-Wechsel und hygrothermische Beanspruchungen nach DIN 4108-3.

PORR testet als Generalunternehmer und Ausführender die betriebliche Machbarkeit: Einbauzeit, Schulung der Teams, Materialversorgung und Dokumentation für Zertifizierungen (ETA, EPD). Das Startup ORBIS Development kümmert sich um die digitale Ebene: collaborative BIM-Werkzeuge, Materialrückverfolgung via Blockchain und Prognoserechnung der Kohlenstoffbilanz von Konstruktionsvarianten bereits in der Planungsphase.

Das ausgegebene Ziel ist zweifach: Validierung der technischen Skalierbarkeit dieser Ansätze in mittleren Wohn- und Gewerbebauprojekten (zwischen 50 und 200 Wohneinheiten) und Vorbereitung einer Normenstandardisierung, die es ermöglicht, diese Methoden in öffentliche Ausschreibungen mit DGNB- oder QNG-Kriterien zu integrieren. Für den Sektor stellt diese Art von multidisziplinärem Konsortium ein Entwicklungsmodell dar, bei dem Innovation nicht länger auf einem einzelnen Akteur beruht, sondern auf der Vernetzung komplementärer Kompetenzen — eine notwendige Voraussetzung, um technische Referenzrahmen und Spezifikationspraktiken in einem Markt zu entwickeln, der noch weitgehend von konventionellen Lösungen dominiert wird.