Eine Zusammenarbeit, die ein neues Organisationsmodell für Produktinnovation andeuten könnte: Austrotherm, ein österreichischer Hersteller von EPS und Dämmsystemen, hat ein Pilotprojekt zusammen mit der Baugruppe PORR, dem Fassadensystemhersteller Baumit und dem Start-up ORBIS Development gestartet. Das erklärte Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Baulösungen, die bereits in der Planungsphase Kriterien der Kreislaufwirtschaft, Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und Optimierung der Lebenszykluskosten integrieren.
Das Projekt fügt sich in einen industriellen Kontext ein, in dem die vertikale Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette — vom Generalunternehmer bis zum Hersteller von Dämmstoffen bis zum digitalen Innovator — noch wenig strukturiert ist. Im Gegensatz zu traditionellen Partnerschaften, die auf Liefervereinbarungen basieren, sieht das Konsortiumsmodell die Co-Gestaltung von Bauelementen vor, mit dem Ziel, bereits in der Entwicklungsphase die Konformität mit EPD-Kriterien (Umweltproduktdeklaration) und die Kompatibilität mit selektiven Rückbau-Prozessen zu gewährleisten.
Besonders relevant erscheint die Beteiligung von Austrotherm, das kürzlich eine EPS-Recyclinganlage in Purbach mit einer Verarbeitungskapazität von 3.000 Tonnen pro Jahr in Betrieb genommen hat. Die Möglichkeit, den Materialkreislauf zu schließen — von der Altdämmung bis zum recycelten Granulat, das wieder in die Produktion eingeführt wird — stellt eine technisch-wirtschaftliche Voraussetzung dar, um die im Pilotprojekt entwickelten Lösungen skalierbar zu machen.
Vom Standpunkt des Bauprozesses ermöglicht die Präsenz von PORR, einer der größten Baugruppen im DACH-Gebiet, die Validierung der Lösungen unter realen Baustellen-Bedingungen, wobei nicht nur die technische Machbarkeit bewertet wird, sondern auch die Verlegungszeiten, die Kompatibilität mit Standard-Ausrüstungen und die langfristige Wartbarkeit. Baumit, spezialisiert auf WDVS-Systeme und hinterlüftete Fassaden, trägt Kompetenzen in der Gebäudephysik und Kompatibilität zwischen funktionalen Schichten bei.
Die Beteiligung des Start-ups ORBIS Development deutet auf einen Fokus auf digitale Werkzeuge zur Material-Rückverfolgbarkeit und zum Informationsmanagement über den Lebenszyklus des Gebäudes hin — ein entscheidender Aspekt für die praktische Umsetzung des Konzepts der zirkulären Bauweise. Für Planer und Immobilienverwalter könnte das Projekt operationale Daten zur realen Anwendbarkeit von Design-for-Disassembly-Logiken in Wohn- und Tertiärgebäuden liefern, einem Bereich, in dem das Fehlen nationaler Normenreferenzen den Vergleich zwischen traditionellen Baulösungen und innovativen Ansätzen noch erschwert.