Der dänische Dämmstoffhersteller ROCKWOOL hat im Geschäftsjahr 2023 ein EBIT von 518 Millionen Euro erwirtschaftet – ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die EBIT-Marge lag bei 14,3 Prozent. Gleichzeitig sank der Umsatz um vier Prozent in lokalen Währungen auf 3.620 Millionen Euro (minus sieben Prozent in berichteten Zahlen). Das Ergebnis dokumentiert, wie ein führender Mineralwolle-Hersteller in einem schwachen Bauumfeld durch Kostendisziplin und Effizienzgewinne die Profitabilität steigert – wirft aber zugleich Fragen auf, wie nachhaltig diese Strategie bei anhaltend niedrigen Bauaktivitäten bleibt.
Im EBIT enthalten ist eine Spende von 27 Millionen Euro an die Foundation for Ukrainian Reconstruction, die von den Aktionären 2023 genehmigt wurde. CEO Jens Birgersson kommentierte die Zahlen: „Angesichts der niedrigen Bauaktivität in den meisten unserer Märkte haben wir insgesamt zufriedenstellende Ergebnisse in 2023 erzielt. Der Umsatzrückgang von vier Prozent ist geringer als zu Jahresbeginn 2023 erwartet. Ich bin zufrieden, dass wir trotz der herausfordernden Marktbedingungen ein solides Rentabilitätsniveau gesichert haben."
Welche Märkte lieferten Gegenwind – und welche stabilisierten?
Der Umsatzrückgang reflektiert eine schwache Baukonjunktur in Kernmärkten. Besonders in Europa blieben Neubauaktivitäten deutlich unter Vorjahren. Dämmstoffe für Wohn- und Nichtwohngebäude sind stark konjunkturzyklisch: Steigende Zinsen und Materialkosten hatten 2023 Bauprojekte verzögert oder storniert. Birgersson hob jedoch Nordamerika und Asien als Lichtblicke hervor – Regionen, in denen ROCKWOOL weiterhin Wachstum verzeichnet.
Die starke Verbesserung der EBIT-Marge um fast drei Prozentpunkte deutet auf Anpassungen in der Kostenstruktur hin: Werksauslastung optimiert, Logistik konsolidiert, Verwaltungskosten gesenkt. Für Planer und Einkäufer in der Baubranche ist relevant, dass ROCKWOOL trotz reduziertem Volumen keine Lieferengpässe signalisiert – die Produktionskapazitäten bleiben verfügbar, was Preisstabilität und Verfügbarkeit für Wärmedämmverbundsysteme und Fassadenlösungen stützt.
Wie realistisch ist die Prognose für 2024?
Für 2024 erwartet ROCKWOOL einen Umsatz auf ähnlichem Niveau wie 2023, gemessen in lokalen Währungen. Die EBIT-Marge soll bei rund 13 Prozent liegen – ein Rückgang gegenüber den 14,3 Prozent in 2023. Birgersson begründete dies mit anhaltend niedriger Bauaktivität in wichtigen Märkten, wobei Nordamerika und Asien wieder als Ausnahmen genannt werden.
Die prognostizierte Margenreduktion legt nahe, dass einmalige Effizienzgewinne 2023 nicht vollständig wiederholbar sind. Zudem steigen Energiekosten in der Steinwolle-Produktion – ein energieintensiver Prozess mit Schmelztemperaturen über 1.400 Grad Celsius. Ohne Volumenwachstum bleiben Fixkosten relativ hoch, was die Marge drückt.
Nachhaltigkeitsziele: Fortschritte und Ambition bis 2050
ROCKWOOL berichtet Fortschritte bei sieben Nachhaltigkeitszielen mit Zeithorizonten bis 2030 und 2034. Die Ziele liegen „im Plan oder voraus", heißt es im Jahresbericht. Zudem verpflichtet sich das Unternehmen zu Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050, mit Fokus auf die Dekarbonisierungsziele für 2034.
Konkret bleibt die Mitteilung allerdings vage: Welche der sieben Ziele übererfüllt werden, welche technischen Maßnahmen die 2034-Ziele stützen und welche Investitionssummen in Elektrifizierung, Wasserstoff oder Carbon Capture anfallen, wird nicht offengelegt. Für Architekten und Planer, die Environmental Product Declarations (EPD) in Ausschreibungen verlangen, bleibt entscheidend, wie schnell spezifische Produktlinien CO₂-reduziert werden – nicht nur Konzernziele auf Papier.
Einordnung: Steinwolle im Kontext anderer Dämmstoffe
Steinwolle bietet hohe Rohdichten (typisch 30–200 kg/m³), gute Schalldämmung und Brandklasse A1 (nicht brennbar). Der Lambda-Wert liegt bei rund 0,035–0,040 W/(m·K) – vergleichbar mit EPS und XPS, aber deutlich schlechter als PIR/PUR (~0,024 W/(m·K)). Der ökologische Fußabdruck von Steinwolle ist durch Energieaufwand im Schmelzprozess höher als bei Holzfaserdämmung, aber niegens als bei Kunststoff-Dämmstoffen. Die vollständige Recyclingfähigkeit ist theoretisch gegeben, praktisch aber limitiert durch Verschmutzungen und Verbundanwendungen (z. B. WDVS mit Klebern).
Wettbewerber wie Knauf Insulation und ISOVER (Saint-Gobain) stehen vor ähnlichen Herausforderungen: schwache Märkte in Europa, Energiekosten, regulatorischer Druck zur Dekarbonisierung. Differenzierung erfolgt zunehmend über EPDs, CO₂-Footprints und digitale Services (BIM-Modelle, U-Wert-Rechner).
Fazit: Solide Krisenperformance – aber strukturelle Fragen bleiben
ROCKWOOL demonstriert operative Disziplin in einem schwierigen Marktumfeld. Die Margenexpansion 2023 ist beachtlich, doch die Prognose für 2024 zeigt, dass weitere Effizienzgewinne begrenzt sind. Die langfristige Dekarbonisierungsstrategie bleibt konzeptionell – konkrete Meilensteine und Investitionszahlen fehlen. Für Baustoffplaner ist entscheidend, ob ROCKWOOL die Nachhaltigkeitsziele in produktspezifische Verbesserungen übersetzt, die in Ausschreibungen und DGNB-Zertifizierungen tatsächlich messbar werden. Die kommenden Quartalsberichte werden zeigen, ob die Stabilisierung in Nordamerika und Asien ausreicht, um den europäischen Gegenwind zu kompensieren – oder ob weitere Margenrückgänge unvermeidlich sind.
Vergleichbare Strategien bei Baustoffherstellern analysiert Baustoffradar auch im Kontext der regionalen Expansion von Heidelberg Materials sowie der Nachhaltigkeitspositionierung von CEMEX.

