Während Frankreich seine Anforderungen an die energetische Sanierung verschärft, positioniert der Holzfaserdämmstoff-Hersteller STEICO seine Lösungen für die Innendämmung als Renovierungsalternative. Das Unternehmen adressiert damit einen Markt, der vor allem dort wächst, wo Außendämmung aus bau- oder denkmalrechtlichen Gründen ausscheidet. Doch technisch bleibt die Innendämmung ein Kompromiss – mit messbaren Nachteilen für U-Wert, Wärmebrücken und Taupunktrisiko.
Im Vergleich zur Außendämmung, die als Wärmedämmverbundsystem (WDVS) die thermische Hülle lückenlos schließt, verliert die Innendämmung konstruktive Wohnfläche und lässt die Außenwand kalt. Jede Geschossdecke, jede tragende Wand bleibt Wärmebrücke. Bei der Holzfaserdämmung von STEICO kommt hinzu: Die kapillare Pufferkapazität von Holzfasern mildert zwar Feuchtelast ab, eliminiert sie aber nicht. Für die baupraktische Anwendung bedeutet das: Dampfbremsen, sorgfältiger Anschluss an Installationsebenen und höhere Anforderungen an die Planung der Taupunktlage innerhalb der Konstruktion.
Dennoch trifft STEICO auf Nachfrage. In Frankreich – ähnlich wie in Deutschland – verhindern Denkmalschutz, enge Grundstücksgrenzen oder Eigentümergemeinschaften oft WDVS-Sanierungen von außen. Innendämmung wird damit zur pragmatischen Notlösung, wenn der Gesetzgeber Mindestwerte für den Lambda-Wert und die Gesamtenergieeffizienz vorschreibt. Parallel verschärft die französische Renovierungspolitik die Schwellenwerte für Energieausweise: Immobilien mit schlechter Energieeffizienzklasse drohen Vermietungsverbote – ein regulatorischer Hebel, der den Renovierungsmarkt stimuliert, aber auch zu kosmetischer Nachrüstung verleitet.
Für die Beurteilung der Nachhaltigkeit zählt nicht nur die biogene Herkunft des Dämmstoffs. Entscheidend ist, ob die Innendämmung tatsächlich den gewünschten Einspareffekt erzielt – oder ob Wärmebrücken und reduzierte Speichermasse den rechnerischen Gewinn auffressen. Pilotprojekte zeigen: In Bestandsgebäuden mit massiven Außenwänden kann die Innentemperierung der Wand zu höherem Heizenergiebedarf führen als bei ungedämmten, speicherfähigen Konstruktionen. Die EPD von Holzfaserdämmstoffen weist zwar niedrige CO₂-Emissionen auf, doch Real-Impact entsteht nur, wenn die eingesparte Heizlast die Herstellungsemissionen innerhalb vertretbarer Frist überkompensiert.
STEICO adressiert mit seinem Produktportfolio einen Nischenmarkt, der wächst – aber nicht, weil er technisch ideal ist, sondern weil regulatorische Vorgaben und bauliche Restriktionen ihn erzwingen. Aus Sicht des Nachhaltigkeits-Reportings bleibt die zentrale Frage: Wie viel Renovierungsenergie wird tatsächlich eingespart – und wie viel davon ist Greenwashing durch biogene Label, die systemische Schwächen der Innendämmung verschleiern?
