Der STEICO-Konzern, einer der führenden Produzenten für Holzfaserdämmung in Europa, hat eine eigene Human Rights Policy veröffentlicht. Das Dokument kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken entlang ihrer Lieferketten systematisch zu identifizieren, zu prävention und zu dokumentieren. STEICO beschäftigt rund 2.200 Personen und fällt damit in den Anwendungsbereich.
Was steht im Dokument – und was fehlt?
Die veröffentlichte Policy benennt zentrale Prinzipien: Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung sowie das Recht auf Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen. Damit orientiert sich STEICO an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Konkrete Mechanismen zur Risikoanalyse in der vorgelagerten Lieferkette – etwa bei Holzimporten aus osteuropäischen oder baltischen Regionen – werden nicht benannt. Auch Angaben zur Prüffrequenz, zu Audit-Partnern oder zur Eskalation von Beschwerden fehlen.
Für Dämmstoffe auf Holzfaserbasis ist die Rohstoffbeschaffung ein neuralgischer Punkt: STEICO verarbeitet jährlich über eine Million Kubikmeter Durchforstungsholz und Sägerestholz. Die Herkunft ist oft diffus, Subunternehmer-Ketten lang, Dokumentation lückenhaft. Gerade in Regionen mit schwacher Governance – etwa in Rumänien oder der Ukraine – sind Berichte über illegalen Holzeinschlag, unsichere Arbeitsbedingungen und fehlende Sozialversicherung für Waldarbeiter keine Seltenheit.
LkSG als Treiber – aber kein Garant für Transparenz
Das LkSG verpflichtet Unternehmen zur jährlichen Berichterstattung gegenüber dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Sanktionen bei Verstößen können bis zu zwei Prozent des Konzernumsatzes betragen. Allerdings gilt die Sorgfaltspflicht nur für den „eigenen Geschäftsbereich" sowie für unmittelbare Zulieferer; mittelbare Lieferanten müssen erst bei „substantiierter Kenntnis" von Risiken geprüft werden. Genau hier liegt die Schwäche: Ohne proaktive Mapping-Initiativen bleibt die Lieferkette für viele Hersteller ein Blindflug.
STEICO hat in den vergangenen Monaten seine Personalsuche verstärkt und eine eigene Akademie für Holzfaserdämmstoffe gegründet – Zeichen eines wachstumsorientierten Kurses. Ob die nun veröffentlichte Menschenrechtspolitik mit gleichem Nachdruck operationalisiert wird, bleibt abzuwarten. Entscheidend sind nicht Policy-Statements, sondern messbare KPIs: Anteil auditierter Zulieferer, durchschnittliche Reaktionszeit auf Beschwerden, Transparenz zu Herkunftsländern auf Chargenniveau.
Branchenvergleich: Andere Hersteller setzen auf externe Zertifizierung
Andere Akteure im Dämmstoffsektor – etwa ROCKWOOL oder ISOVER – haben bereits seit Jahren strukturierte Lieferanten-Scorecards etabliert, die auch Sozial- und Governance-Kriterien umfassen. ROCKWOOL publiziert beispielsweise jährlich ein Human Rights Impact Assessment mit Länder-Risikobewertungen. STEICO bleibt hier noch vage.
Fazit: Die Human Rights Policy von STEICO ist ein formaler Schritt in die richtige Richtung – und gesetzlich geboten. Ob sie über ein Compliance-Minimum hinausgeht, wird sich erst zeigen, wenn das Unternehmen konkrete Umsetzungsberichte, Audit-Ergebnisse und Beschwerdezahlen offenlegt. Der nächste Bericht an das BAFA ist für Ende 2026 fällig. Bis dahin bleibt die Frage offen: Pflicht oder echter Wandel?

