Die chloridinduzierte Korrosion der Bewehrung zählt zu den häufigsten Schadensarten bei Tiefbauten. Der Beton muss dabei einen ausreichenden Widerstand gegen von außen eindringende Chloride aufweisen, um die Stahleinlagen langfristig zu schützen. Neben der Bewehrungsüberdeckung und der Exposition bestimmt die Betonrezeptur maßgeblich, wie schnell Chloridionen ins Bauteil eindringen und Bewehrungskorrosion auslösen.

Welche Prüfnorm und welcher Grenzwert gelten in der Schweiz?

In der Schweiz wird die Prüfung des Chloridwiderstandes gemäß Anhang B der Norm SIA 262/1, Betonbau – Ergänzende Festlegungen, gefordert. Das Verfahren ermittelt den Chloridmigrationskoeffizienten, der angibt, wie schnell Chloride durch die Betonmatrix wandern. Für Bauteile, die salzhaltigem Spritzwasser ausgesetzt sind, gilt ein verbindlicher Grenzwert: Der Chloridmigrationskoeffizient muss ≤ 10×10⁻¹² m²/s betragen. Dieser Wert stellt sicher, dass die Bewehrung auch unter hoher Chloridbelastung – etwa bei Brücken, Stützmauern oder Tunnelwänden – über die gesamte Nutzungsdauer geschützt bleibt.

Warum sind w/z-Wert und Zusatzstoffe entscheidend?

Der Chloridwiderstand des Betons hängt maßgeblich vom Wasser-Zement-Wert (w/z-Wert) sowie von der Art und dem Gehalt an Zement und Zusatzstoffen ab. Ein niedriger w/z-Wert verdichtet die Porenstruktur und erschwert das Eindringen von Chloridionen. Noch wirksamer sind jedoch mineralische Zusatzstoffe:

  • Hüttensand (z. B. 20 % Ersatz von Portlandzement)
  • Flugasche (typisch 15 % Ersatz)
  • Silikastaub (bereits 7 % zeigen deutliche Wirkung)

Diese Zusatzstoffe reagieren puzzolanisch oder latent-hydraulisch mit dem Calciumhydroxid aus der Zementhydratation und verdichten die Zementsteinmatrix. Dadurch sinkt der Chloridmigrationskoeffizient – in Versuchen der TFB AG (Technik und Forschung im Betonbau) in Wildegg konnte bei gleicher Festigkeit eine Reduktion von über 40 % nachgewiesen werden.

Wie schnell dringt Chlorid ein – und was zeigen Praxisdaten?

Je nach Belastung ist der Chlorideintrag sehr rasch. Nach nur vier Wintern wurden in Chloridprofilen am Naxbergtunnel in der Schweiz bei einem Referenzbeton (w/z = 0,50, CEM I 42,5) ein Chloridmigrationskoeffizient von 14,1×10⁻¹² m²/s gemessen – deutlich über dem Grenzwert. Ein Beton mit w/z = 0,35 und CEM I 42,5 erreichte dagegen 7,3×10⁻¹² m²/s.

Betone mit 20 % Hüttensand, 15 % Flugasche oder 7 % Silikastaub – jeweils bei w/B = 0,50 – lagen alle unterhalb von 10×10⁻¹² m²/s und erfüllten damit die Anforderungen der SIA 262/1. Diese Daten verdeutlichen, dass die gezielte Zugabe von Zusatzstoffen den Chloridwiderstand bei gleichbleibendem Wasser-Bindemittel-Verhältnis drastisch verbessern kann.

Welche Fragen stellen sich in der Praxis?

In der täglichen Arbeit auf der Baustelle oder im Betonwerk tauchen zentrale Fragen auf:

  • Welche Expositionsklassen sind zu berücksichtigen?
  • Welche Betonsorten sind zu fordern – und welche Anforderungen sind nötig?
  • Was ist zu tun, wenn der Chloridwiderstand im Erstprüfbericht nicht erreicht wird?
  • Wie sind bestehende Chloridprofile zu beurteilen – und ab wann ist eine Instandsetzung nötig?

Eine fundierte Beratung durch spezialisierte Institute wie die TFB AG in Wildegg hilft Ihnen, Prüfverfahren, Grenzwerte und Schutzkonzepte korrekt anzuwenden. Detaillierte Untersuchungen zum Chloridwiderstand von Betonen mit unterschiedlichen Zusatzstoffen und w/B-Werten liefern praxisnahe Orientierung für die Betonrezeptur.

Praxis-Empfehlungen: So schützen Sie die Bewehrung langfristig

Halten Sie bei chloridbelasteten Bauteilen den w/z-Wert so niedrig wie möglich – idealerweise ≤ 0,45. Setzen Sie gezielt mineralische Zusatzstoffe ein: Schon moderate Anteile an Hüttensand, Flugasche oder Silikastaub senken den Chloridmigrationskoeffizienten deutlich. Achten Sie auf ausreichende Bewehrungsüberdeckung und wählen Sie die Expositionsklasse entsprechend der Umgebungsbedingungen. Bei Brücken, Tunneln und anderen Tiefbauten mit Salzkontakt ist die Einhaltung des Grenzwertes von 10×10⁻¹² m²/s obligatorisch – die Rezeptur-Wahl entscheidet über die Dauerhaftigkeit des Bauwerks.

Für weiterführende Informationen zur Betonrezeptur und zu Anforderungen bei chloridbelasteten Bauteilen empfiehlt sich auch die Lektüre des Artikels zu Expositionsklassen für Beton nach SIA 262 und DIN EN 206.