Das Bundesumweltministerium (BMUKN) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) veranstalten vom 7. bis 14. Oktober 2026 eine Themenwoche zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK). Bundesweit öffnen rund 50 Projekte ihre Türen oder bieten Online-Formate an, um über Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen zu informieren. Im Fokus: Moore, Wälder, Auen, Meere und Grünflächen in Städten, die Kohlenstoff speichern und gleichzeitig vor Hitze, Wassermangel und Starkregen schützen sollen.

Die Bundesregierung stellt für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz rund vier Milliarden Euro bereit. Bislang wurden mehr als 13.000 Vorhaben gefördert – von der Renaturierung von Mooren über Wildnisflächen im Wald bis zur Entsiegelung von gepflasterten Flächen in Städten. Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte: „Die Natur ist unsere beste Verbündete im Einsatz gegen den Klimawandel. Intakte Moore, Wälder und Auen helfen uns gleich doppelt: Sie entnehmen Kohlenstoff aus der Atmosphäre und helfen zugleich, Wasser in der Landschaft zu halten, Hitze abzumildern und die Folgen von Starkregen zu begrenzen."

Was bedeutet die ANK-Strategie für die Baustoffbranche?

Für Baustoffhersteller, Architekten und Bauingenieure ist das Programm in mehrfacher Hinsicht relevant. Die Entsiegelung von Flächen – ein Kernthema der Themenwoche – stellt die Branche vor die Frage, wie Pflasterflächen, Betondecken und versiegelte Böden in urbanen Gebieten rückgebaut werden können, ohne dass Bauabfall unkontrolliert auf Deponien landet. Hier rücken Recyclingbaustoffe und zirkuläre Konzepte in den Fokus: Welche Materialien lassen sich sortenrein zurückbauen, welche eignen sich für die Wiederverwendung im Tiefbau oder als Gesteinskörnung in Transportbeton?

Die Forderung nach naturnahem Stadtgrün hat zudem direkte Auswirkungen auf die Nachfrage nach wasserdurchlässigen Flächenbefestigungen, Substrataufbauten für Grüne Fassaden und Dachbegrünungen sowie Leichtbaustoffen für begrünte Dächer. Besonders im urbanen Kontext steigt der Bedarf an Materialien, die sowohl hohe Wasserrückhaltekapazität als auch geringes Gewicht und Dauerhaftigkeit bieten.

Moorschutz und Paludikultur: Auswirkungen auf Rohstoffverfügbarkeit

Ein zentrales Handlungsfeld des ANK ist die Wiedervernässung von Mooren. BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm verwies darauf, dass „mehr als 13.000 kleinere und größere Vorhaben" bereits gefördert werden und eine „Vielzahl an Akteuren" – darunter Kommunen, Land- und Forstwirtschaft, Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen – beteiligt ist. Die Renaturierung von Mooren reduziert CO₂-Emissionen aus entwässerten Torfböden, schränkt aber die Verfügbarkeit von Torf als Rohstoff ein. Das betrifft vor allem die Substratindustrie und spezialisierte Leichtbau-Anwendungen, die bisher auf Torf als Zuschlagstoff setzen.

Parallel fördert das Programm die sogenannte Paludikultur – die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moore. Aus nachwachsenden Rohstoffen wie Rohrkolben oder Schilf lassen sich Dämmstoffe und Baustoffe für den Innenausbau gewinnen. Ob diese Materialien langfristig technisch und wirtschaftlich mit etablierten Dämmstoffen wie Mineralwolle oder Holzfaser-Dämmstoffen konkurrieren können, hängt von der Skalierung der Produktion und der Zulassungspraxis ab.

Aktionstag am 10. Oktober und Abschlussveranstaltung in Berlin

Höhepunkt der Themenwoche ist ein Aktionstag am Samstag, 10. Oktober 2026, an dem bundesweit Mitmachaktionen und Veranstaltungen stattfinden. Zwölf ANK-Projekte aus den Küstenregionen bieten gebündelte Aktionen zum Thema „Klimaschützer Meer" an. Die Themenwoche schließt am Mittwoch, 14. Oktober 2026, mit einer zentralen Veranstaltung im Bundesumweltministerium in Berlin ab, bei der Impulse aus der Praxis im Vordergrund stehen.

Das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNK) koordiniert die Themenwoche gemeinsam mit BMUKN und BfN. Unter dem Hashtag #ANKWoche26 begleiten die Veranstalter das Programm online. Die Möglichkeit, konkrete Maßnahmen vor Ort zu sehen – von Moorwanderungen bis zu Ausstellungen über Seegraswiesen und Meeresschlick – soll Kommunen und Regionen Lösungen zeigen, die sich übertragen lassen.

Einordnung: Politischer Druck und offene Fragen zur Wirksamkeit

Das Aktionsprogramm zielt darauf ab, Klimaschutz im Landnutzungssektor voranzubringen. Die Bundesregierung setzt auf „nasse Moore, intakte Wälder, Böden und Auen, Flüsse und Meere sowie naturnahe Grünflächen in besiedelten Gebieten". Ob das Programm seine Klimaschutzziele erreicht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Kritiker monieren, dass viele Projekte noch in der Erprobungsphase stecken und die tatsächliche CO₂-Reduktion schwer messbar ist.

Für die Baustoffbranche bleibt entscheidend, wie sich die Prioritäten zwischen Flächeninanspruchnahme, Entsiegelung und Materialnachfrage entwickeln. Werden Kommunen künftig verstärkt auf wasserdurchlässige Beläge setzen? Welche Anforderungen stellt die Wiederverwendung von Abbruchmaterial im Kontext von Entsiegelungsprojekten? Und wie wirkt sich die Verknappung von Torf auf die Produktentwicklung bei Leichtbaustoffen aus?

Die ANK-Themenwoche bietet Gelegenheit, diese Fragen mit Vertretern aus Kommunen, Forschung und Praxis zu diskutieren. Für Baustoffhersteller und Planer ist die Veranstaltung ein Gradmesser dafür, wie ernst es der Politik mit der Integration von Naturschutz in die Bauwirtschaft ist – und welche Investitionen in alternative Materialien und Verfahren langfristig Bestand haben.

Weitere Informationen zur Themenwoche und zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz sind auf der Website des Bundesumweltministeriums abrufbar. Eine detaillierte Übersicht über geförderte Projekte und regionale Veranstaltungen wird laufend aktualisiert.