Eternit hat am 19. Februar 2022 einen Leitfaden zur Befestigung von Wellplatten veröffentlicht. Die Montagehinweise richten sich an Handwerker, Planer und Bauherren, die bei der Dachdeckung oder im Fassadenbau auf Wellplatten setzen. Die korrekte Befestigung auf dem Wellenberg ist entscheidend für Standsicherheit und Dichtheit – insbesondere bei energetischer Sanierung von Bestandsbauten, wo undichte Anschlüsse thermische Schwachstellen verursachen können. Eternit legt fest, dass jede Platte von mindestens vier Befestigungsmitteln erfasst sein muss, wobei die konkrete Anordnung von Standort, Geländeprofil und Baukörper abhängt.
Warum die Befestigung auf dem Wellenberg erfolgen muss
Die Befestigung von Eternit Wellplatten erfolgt auf dem Wellenberg. Aus statischen Gründen ist die Befestigung auf dem ersten Wellenberg allerdings nicht möglich. Dieser konstruktive Vorbehalt stellt sicher, dass Windlasten und Schneelasten gleichmäßig über die Unterkonstruktion abgetragen werden. Der Mindestabstand der Befestigungsmittel zum Plattenrand muss mindestens 50 mm betragen. Für die Dichtung der Befestigungspunkte sind Pilzdichtungen aus Kunststoff mit Stahleinlage vorgeschrieben – sie verhindern Kapillarwasseraufnahme und schützen die Befestigungsmittel vor Korrosion.
Materialspezifische Auswahl der Befestigungsmittel
Die Wahl des Befestigungsmittels richtet sich nach Material und Beschaffenheit der Unterkonstruktion. Eternit unterscheidet drei Hauptfälle:
- Holzunterkonstruktionen: Holzschrauben, bevorzugt selbstbohrend. Vorteil: kein Vorbohren der Wellplatten oder der Unterkonstruktion notwendig. Traglattenmit einem Mindestquerschnitt von 60 × 60 mm sind erforderlich, damit die Einschraubtiefe ausreicht. Bei normalen Holzschrauben nach DIN EN 14592 ist ein Vorbohren der Wellplatten zwingend.
- Stahlpfetten: Selbstbohrende Schrauben mit Korrosionsschutz aus Bimetall. Eternit bietet spezielle Bohrbefestiger für Blechstärken von 2,0 bis 5,5 mm an; bei Aluminiumunterkonstruktionen sind Stärken von 3,0 bis 5,0 mm zulässig.
- Holz-Koppelpfetten: Bei großen Binderabständen gelten dieselben Bedingungen wie bei klassischen Holzpfetten.
Besonders hingewiesen wird darauf, dass Befestigungsmittel nicht durch die Wellplatten geschlagen werden dürfen. Diese Vorgabe verhindert Rissbildung im Plattenmaterial und damit langfristige Feuchtigkeitsschäden.
Sonderfall Berliner Welle: Farbige Glockenschrauben aus Edelstahl
Für die Eternit Berliner Welle gelten abweichende Anforderungen. Hier werden farbige Glockenschrauben aus Edelstahl mit Dichtscheibe eingesetzt. Die Befestigung erfolgt auf dem zweiten und fünften Wellenberg durch vorgefertigte Bohrlöcher. Diese gestalterische Variante kombiniert Funktion und Optik, indem die Schraubenköpfe farblich auf die Platte abgestimmt werden können.
Bedeutung fachgerechter Befestigung für die Gebäudehülle
Wellplatten kommen nicht nur als Dachziegel-Alternative zum Einsatz, sondern auch in Fassaden oder als lichtdurchlässige Elemente in Hallendächern. Die korrekte Abdichtung an den Befestigungspunkten ist daher Teil der Gesamtdichtheit der Gebäudehülle. Werden Pilzdichtungen mit Stahleinlage nicht verwendet oder Mindestabstände unterschritten, drohen Wassereintritte, die langfristig die Dämmebene beeinträchtigen. Im Kontext steigender U-Wert-Anforderungen an Dachkonstruktionen gewinnt die lückenlose Abdichtung an Relevanz.
Planungsgrundlagen und Bemessungsempfehlung
Eternit bietet eine unverbindliche Bemessungsempfehlung an, die projektspezifische Faktoren wie Windzone, Schneelast und Dachneigung berücksichtigt. Die ausführlichen Planungsgrundlagen stehen im Downloadcenter des Herstellers zur Verfügung. Für individuelle Fälle – etwa bei komplexen Dachgeometrien oder Mischkonstruktionen aus Holz- und Stahlpfetten – empfiehlt Eternit die Kontaktaufnahme mit einem Ansprechpartner.
Einordnung: Wellplatten im Kontext nachhaltiger Sanierung
Wellplatten aus Faserzement haben sich über Jahrzehnte als langlebige, wartungsarme Deckwerkstoffe etabliert. Ihre Resistenz gegen UV-Strahlung, Frost und biologischen Befall macht sie zu einer Option für Industriebauten und landwirtschaftliche Gebäude, die energetisch modernisiert werden. Im Vergleich zu Trapezblech bieten sie eine andere Optik und ein geringeres Wärmeausdehnungsverhalten. Bei energetischen Sanierungen ist jedoch stets die Gesamtkonstruktion – inklusive Dämmebene und Luftdichtung – zu betrachten. Die Montagehinweise von Eternit adressieren primär die mechanische Sicherheit und die Dichtheit gegen Schlagregen, nicht jedoch die thermische Performance der Dachkonstruktion als Ganzes.
Fazit
Die von Eternit veröffentlichten Montagehinweise konkretisieren die Anforderungen an eine fachgerechte Befestigung von Wellplatten. Die Unterscheidung nach Unterkonstruktionsmaterial, die Vorgabe von Mindestabständen und der Einsatz von Pilzdichtungen mit Stahleinlage sind praxisnahe Maßnahmen, die Planungssicherheit schaffen. Für Handwerker und Planer, die Wellplatten in Neubauten oder Sanierungsprojekten einsetzen, bilden die Hinweise eine nützliche Ergänzung zu den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen. Die kostenlose Bemessungsempfehlung senkt das Risiko von Fehlplanungen und trägt zur Langlebigkeit der Dachkonstruktion bei.