Eternit hat im Februar 2022 einen Leitfaden zur fachgerechten Befestigung von Wellplatten veröffentlicht. Die Empfehlungen richten sich an Planer und Verarbeiter, die Dächer mit Faserzement-Wellplatten decken. Die Montagehinweise definieren Mindestabstände, geeignete Befestigungsmittel und Dichtungstypen für verschiedene Unterkonstruktionen aus Holz und Stahl. Kernstück des Leitfadens sind Vorgaben zur statisch korrekten Anordnung der Befestigungspunkte und zur materialgerechten Auswahl von Schrauben und Pilzdichtungen.
Statische Anforderungen: mindestens vier Befestigungsmittel pro Platte
Die Befestigung der Eternit Wellplatten erfolgt auf dem Wellenberg. Aus statischen Gründen darf der erste Wellenberg nicht zur Befestigung genutzt werden. Jede Platte muss von mindestens vier Befestigungsmitteln erfasst sein, um ausreichende Stabilität zu gewährleisten. Die Anordnung der Befestigungsmittel hängt von baulichen Faktoren wie Standort, Geländeprofil und Baukörper ab und muss entsprechend den örtlichen Lasten angepasst werden.
Der Abstand der Befestigungsmittel zum Plattenrand muss mindestens 50 mm betragen. Für die Dichtung sind Pilzdichtungen aus Kunststoff mit Stahleinlage vorgeschrieben. Die Stahleinlage gewährleistet die notwendige Formstabilität und Druckverteilung bei der Befestigung auf Faserzement-Wellplatten.
Welche Befestigungsmittel für Holz- und Stahlpfetten?
Die Auswahl des Befestigungsmittels richtet sich nach Material und Beschaffenheit der Unterkonstruktion. Für Unterkonstruktionen aus Holz empfiehlt Eternit Holzschrauben. Selbstbohrende Varianten ermöglichen die Montage ohne Vorbohren der Wellplatten oder der Unterkonstruktion. Werden normale Holzschrauben nach DIN EN 14592 eingesetzt, ist ein Vorbohren der Wellplatten erforderlich.
Bei Holzlatten als Unterkonstruktion sind selbstbohrende Schrauben mit Edelstahlscheibe zu verwenden. Die Traglatten müssen einen Mindestquerschnitt von 60 × 60 mm aufweisen, um die erforderliche Einschraubtiefe zu gewährleisten. Für große Binderabstände sind Holz-Koppelpfetten erforderlich, bei denen dieselben Befestigungsbedingungen wie bei klassischen Holzpfetten gelten.
Für Unterkonstruktionen aus Stahl empfiehlt der Hersteller selbstbohrende Schrauben mit Korrosionsschutz aus Bimetall. Eternit bietet spezielle Bohrbefestiger an, die für Blechstärken von 2,0 bis 5,5 mm bei Stahl und 3,0 bis 5,0 mm bei Aluminium geeignet sind. Ein zentraler Sicherheitshinweis lautet: Befestigungsmittel dürfen nicht durch die Wellplatten geschlagen werden. Diese Vorgabe zielt auf die Vermeidung von Mikrorissen und Bruchgefahr im Faserzement.
Sonderfall Berliner Welle: farbige Glockenschrauben mit vorgefertigten Bohrlöchern
Für die Eternit Berliner Welle gelten abweichende Anforderungen. Hier sind farbige Glockenschrauben aus Edelstahl mit Dichtscheibe vorgeschrieben. Die Wellplatten werden auf dem zweiten und fünften Wellenberg durch vorgefertigte Bohrlöcher befestigt. Die Glockenschrauben ermöglichen eine optisch abgestimmte Montage und verhindern durch die vorgefertigten Bohrlöcher die Entstehung von Spannungsrissen beim Bohren auf der Baustelle.
Praktische Hinweise: Links- und Rechtsdeckung, Wellenberg-Zählung
Zur Festlegung des Wellenbergs für die Befestigung gibt Eternit konkrete Zählregeln vor. Bei einer Linksdeckung der Wellplatten beginnt die Zählung vom rechten Wellenberg. Bei einer Rechtsdeckung wird von der linken Seite der Wellplatten aus gezählt. Diese Konvention verhindert Verwechslungen auf der Baustelle und erleichtert die Koordination zwischen Planung und Ausführung.
Bemessungsempfehlung und Planungsgrundlagen im Downloadcenter
Eternit bietet eine unverbindliche Bemessungsempfehlung an, die auf die spezifischen Gegebenheiten des Bauprojekts eingeht. Ausführliche Hinweise zur Planung und Ausführung sind im Downloadcenter des Herstellers verfügbar. Die Planungsgrundlagen enthalten detaillierte Angaben zu Lastannahmen, Verankerungsabständen und zu den erforderlichen Querschnitten der Unterkonstruktion.
Einordnung: Normgerechte Befestigung als Voraussetzung für Langlebigkeit
Die Befestigung von Faserzement-Wellplatten folgt spezifischen physikalischen Anforderungen. Faserzement ist ein sprödes Material, das Zugspannungen nur begrenzt aufnehmen kann. Wird die Platte durch Schlagbefestigung oder ungleichmäßige Druckverteilung lokal überlastet, können Mikrorisse entstehen, die bei Frost-Tau-Wechseln zu Abplatzungen führen. Die im Leitfaden geforderten Pilzdichtungen mit Stahleinlage verteilen die Anpresskraft der Schraube auf eine größere Fläche und verhindern Druckspitzen.
Die Vorgabe, Befestigungsmittel nicht durch die Platte zu schlagen, ist materialspezifisch: Anders als bei Trapezblech oder Bitumen-Wellbahnen führt mechanische Stoßbelastung bei Faserzement zu irreversiblen Gefügeschäden. Die empfohlenen selbstbohrenden Schrauben mit Pilzdichtung sind daher nicht nur Komfortmerkmal, sondern technische Notwendigkeit.
Vergleich mit anderen Dachdeckungsmaterialien
Im Vergleich zu Metalldachbahnen wie Trapezblech erfordern Faserzement-Wellplatten eine höhere Sorgfalt bei der Befestigung. Während Trapezblech dank seiner Duktilität lokale Überlastungen toleriert, reagiert Faserzement empfindlich auf Punktlasten. Auch gegenüber Dachziegeln zeigt sich ein Unterschied: Diese werden überwiegend durch Gewicht und Windklammern gehalten, während Wellplatten kraftschlüssig mit der Unterkonstruktion verbunden werden.
Die geforderten Mindestquerschnitte von 60 × 60 mm für Traglatten liegen im oberen Bereich der gängigen Holzrahmenbau-Querschnitte und erfordern bei der Ausführungsplanung eine sorgfältige Abstimmung mit den Binderabständen. Bei Stahlunterkonstruktionen bieten die speziellen Bohrbefestiger von Eternit Vorteile gegenüber Standard-Bohrschrauben, da sie auf die Härte und Blechstärke von Stahl- und Aluminiumprofilen abgestimmt sind.
Fazit: Technische Präzision statt Improvisation
Der Leitfaden von Eternit unterstreicht die Notwendigkeit einer materialgerechten Verarbeitung von Faserzement-Wellplatten. Die detaillierten Vorgaben zu Befestigungsmitteln, Dichtungen und Mindestabständen spiegeln die physikalischen Grenzen des Materials wider. Für Planer und Verarbeiter bietet der Leitfaden klare Orientierung – eine normgerechte Umsetzung ist Voraussetzung für die Langlebigkeit und Sicherheit der Dachkonstruktion. Die kostenfreien Planungsgrundlagen im Downloadcenter ergänzen die Kurzhinweise um statische Berechnungsansätze und materialspezifische Kennwerte.