DIN EN 13813 klassifiziert Estrichmörtel und Estrichmassen nach Bindemitteltyp, Druckfestigkeit und Biegezugfestigkeit – nicht nach Fließverhalten als eigenem Kriterium. Selbstnivellierende Eigenschaften finden sich vor allem bei Calciumsulfat-Fließestrichen (CAF) und bei fließfähig eingestellten Zementestrichen, die auf der Baustelle gepumpt und verteilt werden. Die Norm selbst unterscheidet sechs Bindemittelsysteme: CT (Zementestrich), CA (Calciumsulfat-/Anhydritestrich), CAF (Calciumsulfat-Fließestrich), MA (Magnesiaestrich), AS (Gussasphaltestrich) und SR (Kunstharzestrich). Jede dieser Estrichmörtel-Familien hat eigene Prüfverfahren, Festigkeitsklassen und Einsatzgrenzen, die Hersteller in der Leistungserklärung (DoP) angeben müssen.

Für Planer und Verarbeiter ist entscheidend: Die EN 13813 beschreibt den Estrich als Baustoff – also das Produkt, das der Hersteller in Verkehr bringt. Wie der Estrich dann auf der Baustelle eingebaut, dimensioniert und geprüft wird, regelt in Deutschland die Normenreihe DIN 18560, in Österreich ergänzend die ÖNORM B 3732. Wer nach "der Estrichnorm" sucht, muss also zwischen Produktnorm und Ausführungsnorm unterscheiden.

Welche Klassen definiert DIN EN 13813?

Die Bezeichnung eines Estrichmörtels nach EN 13813 folgt einem festen Schema: Bindemittelkürzel plus Klassenwerte. Ein Beispiel aus der Norm ist "CT-C20-F4" – ein Zementestrichmörtel der Druckfestigkeitsklasse C20 und Biegezugfestigkeitsklasse F4. Die wichtigsten Klassen im Überblick:

  • Druckfestigkeit (C): Klassen C5 bis C80, Zahl in N/mm²
  • Biegezugfestigkeit (F): Klassen F1 bis F50, Zahl in N/mm²
  • Verschleißwiderstand nach Böhme (A): A22 bis A1,5, Abrieb in cm³/50 cm²
  • Verschleißwiderstand nach BCA (AR): z. B. AR1
  • Verschleißwiderstand gegen Rollbeanspruchung (RWA): Abrieb in cm³
  • Oberflächenhärte (SH): z. B. SH150

Für Zementestrich, der als Nutzschicht dient, wählt der Hersteller beim Verschleißwiderstand zwischen Böhme, BCA und Rollbeanspruchung; bei Kunstharzestrich (SR) steht die Wahl zwischen BCA und Rollbeanspruchung. Die zugehörigen Prüfverfahren sind überwiegend in der Reihe EN 13892 festgelegt.

Wie läuft die CE-Kennzeichnung nach EN 13813 ab?

Als harmonisierte Norm nach EU-Bauproduktenverordnung verpflichtet EN 13813 Hersteller zur Konformitätsbewertung nach AVCP-System 3. Der Ablauf umfasst mehrere Schritte:

  • Erstprüfung (Initial Type Testing, ITT) durch eine notifizierte Stelle für jede neue Estrichmischung
  • Werkseigene Produktionskontrolle (Factory Production Control, FPC bzw. WPK) durch den Hersteller selbst
  • Erstellung einer Leistungserklärung (Declaration of Performance, DoP)
  • CE-Kennzeichnung der fertigen Produkte

Ohne gültige ITT-Ergebnisse darf keine Leistungserklärung ausgestellt werden. Merkmale, für die der Hersteller keinen Wert erklärt, erscheinen in der DoP als NPD ("No Performance Determined", keine Leistung festgestellt) – etwa wenn der Verschleißwiderstand für eine Anwendung ohne Nutzschichtfunktion irrelevant ist. Die WPK-Unterlagen, inklusive Rezepturen, Rohstoffprüfungen und Produktionsprotokollen, müssen Hersteller mindestens zehn Jahre aufbewahren.

Welche Rolle spielt das Brandverhalten?

Die Brandklassifizierung von Estrichen folgt EN 13501-1. A1fl steht für nicht brennbare Produkte, die bei einem Brand praktisch nicht zur Brandentwicklung beitragen – die Klasse, in die Zementestrich (CT) für die meisten Bauprojekte fällt. Efl kennzeichnet dagegen ein entflammbares Material, das unter Kleinbrennerbeanspruchung nicht weiterbrennt. Eine typische Leistungserklärung für Zementestrich nennt neben den Druck- und Biegezugfestigkeitsklassen auch das Brandverhalten A1, während der Verschleißwiderstand als NPD geführt wird, wenn keine Nutzschichtfunktion vorgesehen ist.

Produktnorm versus Ausführungsnorm: Wer braucht was?

Hersteller von Estrichmörteln arbeiten mit EN 13813 für Klassenfestlegung, Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung. Ausführende Betriebe orientieren sich bei Planung, Einbau und Prüfung des fertigen Estrichs an DIN 18560. Für Bodenleger ist vor allem relevant, ob der eingebaute Estrich belegreif ist – diese Prüfung erfolgt in Österreich nach ÖNORM B 5236, unabhängig von den in der DoP erklärten Materialklassen. Die Bezeichnung nach EN 13813 verrät also, welche Eigenschaften das Rohprodukt mitbringt, nicht, wie die konkrete Einbausituation auf der Baustelle zu bewerten ist. Wer Zementestrich mit angrenzenden Baustoffen wie Porenbeton oder im Verbund mit Abdichtungen plant, sollte beide Normebenen – Produkt und Ausführung – getrennt dokumentieren.