Für Betriebe, die Gipsfaserplatten im Lager haben, ist die wichtigste Zeile der heutigen Holcim-Mitteilung nicht die Marge, sondern ein Name: Fermacell. Der Konzern hat eine verbindliche Vereinbarung geschlossen, den europäischen Anbieter von Wand- und Bodenlösungen von James Hardie Industries zu übernehmen.

Fermacell kommt nach Holcim-Angaben 2026 auf einen Umsatz von rund 430 Millionen Euro. Die Übernahme steht noch unter den üblichen Bedingungen und behördlichen Freigaben; der Abschluss wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Angekündigt hatte Holcim die Vereinbarung im August.

Konzernchef Miljan Gutovic ordnet den Zukauf so ein, dass er „Holcims europäisches Portfolio für Wand, Boden und Brandschutz erweitert“ und das Angebot an integrierten Gebäudesystemen und modularem Bauen verbreitert. Für den Handel heisst das: eine etablierte Marke im Trockenbau wechselt in einen Konzern, der bisher vor allem über Zement, Beton und — seit Juni — über Xella im Regal stand.

Die Zahlen: 19,2 Prozent Marge nach neun Monaten

Der Nettoumsatz der ersten neun Monate liegt bei 12.586 Millionen Franken gegenüber 11.906 Millionen im Vorjahreszeitraum, ein Plus von 5,7 Prozent ausgewiesen und 5,2 Prozent organisch. Das Recurring EBIT steigt auf 2.414 Millionen Franken (Vorjahr 2.275 Millionen), ausgewiesen plus 6,1 Prozent, organisch plus 11,8 Prozent. Die Recurring-EBIT-Marge erreicht 19,2 Prozent, zehn Basispunkte über dem Vorjahr.

Das dritte Quartal allein fällt deutlich kräftiger aus: Umsatz 4.662 Millionen Franken nach 4.036 Millionen, ein Plus von 15,5 Prozent ausgewiesen bei 5,1 Prozent organisch. Das Recurring EBIT legt auf 976 Millionen Franken zu (Vorjahr 836 Millionen), plus 16,8 Prozent ausgewiesen und 12,2 Prozent organisch. Die Quartalsmarge liegt bei 20,9 Prozent.

Warum ausgewiesen und organisch auseinanderlaufen

Die beiden Wachstumsraten driften in diesem Bericht in unterschiedliche Richtungen, und das ist kein Rechenfehler. Über neun Monate liegt das ausgewiesene EBIT-Wachstum mit 6,1 Prozent unter dem organischen von 11,8 Prozent — der starke Franken frisst einen Teil des Zuwachses bei der Umrechnung. Im dritten Quartal ist es umgekehrt: 16,8 Prozent ausgewiesen gegen 12,2 Prozent organisch, weil die Zukäufe inzwischen in der Bilanz stehen und organisch per Definition nicht mitgezählt werden.

Wer die Entwicklung des Geschäfts beurteilen will, schaut auf die organische Zahl. Wer wissen will, wie gross der Konzern geworden ist, auf die ausgewiesene.

Elf Transaktionen in neun Monaten

Holcim hat seit Jahresbeginn elf Transaktionen abgeschlossen: zehn Zukäufe und eine Veräusserung. Im Bereich Building Materials kamen neben Cementos Pacasmayo die AFC Recycling und die Cem'In'Eu Group in Frankreich sowie Uranus Pluton in Rumänien hinzu.

Im Bereich Building Solutions waren es sechs Zukäufe: neben Xella fünf Transportbeton-Unternehmen — 3B und das Transportbetongeschäft von BHR in Frankreich, Jacobs NV in Belgien, Josef Klösters Kies & Beton in Deutschland und das Transportbetongeschäft der Stevenson Group in Neuseeland. Verkauft wurde das Geschäft im Libanon samt Aktivitäten in Zypern; für die Philippinen ist eine Veräusserung vereinbart.

Kohlenstoffärmere Produkte gewinnen Anteile

Beim nachhaltigen Sortiment verschieben sich die Anteile weiter. Der kohlenstoffreduzierte Beton ECOPact macht nach neun Monaten 33 Prozent des Transportbetonumsatzes aus, nach 32 Prozent im Vorjahreszeitraum. Deutlicher fällt der Sprung beim Zement aus: ECOPlanet steht für 43 Prozent des Zementumsatzes gegenüber 36 Prozent im Vorjahr.

Die Menge recycelter Bau- und Abbruchmaterialien hat Holcim über die ECOCycle-Technologie um ein Drittel auf 7,4 Millionen Tonnen gesteigert.

Prognose angehoben

Auf Basis der Neunmonatszahlen hebt Holcim die Jahresprognose an: Das organische Wachstum des Recurring EBIT soll nun 10 bis 12 Prozent erreichen. Beim Nettoumsatz erwartet der Konzern rund 5 Prozent organisches Wachstum, eine weitere Ausweitung der Marge und einen freien Cashflow von etwa 2 Milliarden Franken. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben 50.000 Menschen.

Eine regionale Aufschlüsselung enthält die Mitteilung nicht; die Angaben beziehen sich auf den Konzern.