Die Trockenrohdichte bezeichnet die Masse eines Mauersteins bezogen auf sein Volumen und wird in kg/m³ angegeben. Sie ist eine zentrale Kenngröße im Mauerwerksbau und bestimmt das Steingewicht sowie zahlreiche bauphysikalische Eigenschaften. Die Normenfamilie SN EN 771 teilt die Rohdichte in Rohdichteklassen (RDK) von 0,35 bis 2,4 ein – eine dimensionslose Klassifizierung, die Ihnen als Verarbeiter die Auswahl des passenden Steins für tragendes oder nichttragendes Mauerwerk erleichtert.
Was ist Trockenrohdichte und warum wird sie klassifiziert?
Die Trockenrohdichte ist die Masse eines vollständig trockenen Steins geteilt durch sein Volumen. Sie wird in der Regel als Brutto-Trockenrohdichte angegeben, die das gesamte Steinvolumen einschließlich eventueller Lochungen oder Hohlräume berücksichtigt. Die Einteilung in Rohdichteklassen dient der Vergleichbarkeit: Ein Stein der RDK 0,8 hat eine Rohdichte von etwa 800 kg/m³, ein Stein der RDK 2,0 wiegt rund 2000 kg/m³.
Diese Klassifizierung ist deshalb praxisrelevant, weil sie direkt mit bauphysikalischen Anforderungen verknüpft ist:
- Lasten und Tragfähigkeit: Höhere Rohdichten bedeuten in der Regel mehr Masse und damit potenziell höhere Druckfestigkeit – wichtig für tragendes Mauerwerk.
- Schallschutz: Schwere Steine (hohe Rohdichte) bieten besseren Luftschallschutz nach dem Masse-Feder-Prinzip.
- Wärmeschutz: Leichte Steine (niedrige Rohdichte, hoher Porenanteil) weisen oft bessere Wärmedämmwerte auf – relevant für einschaliges Mauerwerk ohne zusätzliches Wärmedämmverbundsystem.
- Feuerwiderstand: Die Rohdichte beeinflusst die Wärmespeicherfähigkeit und damit das Brandverhalten.
Welche Anforderungen stellt die Norm SN EN 771?
Die Normenfamilie SN EN 771 gilt für Mauersteine aus Beton, Naturstein, Kalksandstein und Ziegel. Sie legt einheitliche Anforderungen an Druckfestigkeitsklassen, Maße, Rohdichte und Prüfverfahren fest. Für Betonsteine nach SN EN 771-3 gilt: Der Hersteller muss neben der Druckfestigkeit in N/mm² auch die Brutto-Trockenrohdichte in kg/m³ deklarieren. Diese Angabe ist verpflichtend, weil sie für die Beurteilung von Lasten, Schallschutz, Wärmeschutz und Feuerwiderstand erforderlich ist.
Die Steine eignen sich für verschiedene Anwendungen: einschaliges und zweischaliges Mauerwerk, Trennwände, Stützmauern und Untergeschosse. Sie tragen zum Brand-, Wärme- und Schallschutz bei. Die Maße müssen in der Reihenfolge Länge, Breite und Höhe in Millimetern angegeben werden, wobei das Sollmaß verpflichtend ist. Ergänzend darf das Koordinierungsmaß genannt werden.
Wie wird die Rohdichte bei Natursteinen ermittelt?
Für Natursteine nach SN EN 771-6 gelten eigene Prüfvorgaben. Die Norm behandelt Mauersteine mit einer Breite von mindestens 80 mm, die als Normalmauersteine sowie Sicht- und Vormauersteine in tragenden oder nichttragenden Bauwerken eingesetzt werden. Die Rohdichte wird aus sechs Probekörpern ermittelt, die nach EN 1936 geprüft werden. Die Bezeichnung der Steine muss EN 12440 entsprechen und den üblichen Namen des Gesteins enthalten – etwa Granit, Sandstein oder Schiefer.
Die Norm unterscheidet drei Gesteinsgruppen: Magmatite (durch Abkühlung entstanden), Sedimentgesteine und Metamorphite. Neben der Rohdichte werden auch offene Porosität, kapillare Wasseraufnahme und Dauerhaftigkeit festgelegt. Natursteine eignen sich für Schichtenmauerwerk oder unregelmäßiges Mauerwerk, einschalige und zweischalige Wände, Trennwände, Stützwände und Schornsteinaußenmauerwerk.
Prüfverfahren und Qualitätskontrolle
Die Normenfamilie enthält detaillierte Vorgaben zur Probenahme und zu Konformitätskriterien. Anhang A der jeweiligen Teilnorm regelt die Probenahme für die Typprüfung und die unabhängige Prüfung von Lieferungen. Anhang B legt Konformitätskriterien fest, die für die Feststellung des Produkttyps und die Überwachung gelten. Empfehlungen zur Prüfhäufigkeit finden sich in weiteren Anhängen, um ein Werk-Produktionskontroll-System (WPK) aufzubauen, das die Konformität mit den Normvorgaben und den Herstellerangaben nachweist.
Die Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit erfolgt nach der EU-Bauproduktenverordnung. Die Norm verweist auf Anhang ZA, der die relevanten Abschnitte der Europäischen Norm im Kontext der Bauproduktenverordnung erläutert. Hersteller müssen die Merkmale dauerhaft überwachen und dokumentieren, um die CE-Kennzeichnung zu erhalten. Die Prüfhäufigkeit richtet sich nach Produktionsvolumen und Steinart.
Praxis-Tipps: Rohdichte und bauphysikalische Eigenschaften auf der Baustelle
Für Sie als Verarbeiter bedeutet die Wahl der richtigen Rohdichteklasse konkret:
- Schwerere Steine (RDK 1,8–2,4): Besserer Schallschutz, höhere Tragfähigkeit, aber höherer Transportaufwand und mehr Gewicht auf der Decke. Kalksandsteine liegen oft in diesem Bereich.
- Leichte Steine (RDK 0,35–0,8): Bessere Wärmedämmung, geringeres Gewicht, erleichtern das Handling auf der Baustelle. Porenbeton-Steine gehören hierzu.
- Mittlere Klassen (RDK 1,0–1,6): Ausgewogenes Verhältnis zwischen Wärme-, Schall- und Lastanforderungen. Viele Betonsteine und Ziegel fallen in diesen Bereich.
Achten Sie auf der Baustelle darauf, dass die Herstellerangaben auf dem Lieferschein oder der Kennzeichnung die Rohdichte explizit ausweisen. Bei Unsicherheiten prüfen Sie das Gewicht einer Palette oder einzelner Steine und vergleichen mit den Sollwerten – eine einfache Plausibilitätskontrolle, die Verwechslungen ausschließt.
Fazit: Rohdichteklassen als Entscheidungshilfe
Die Trockenrohdichte und ihre Klassifizierung nach SN EN 771 bieten Ihnen klare Orientierung bei der Materialwahl. Sie beeinflussen nicht nur die statischen Eigenschaften, sondern auch Schallschutz, Wärmeschutz und Brandverhalten. Wer die richtige RDK wählt, spart Materialkosten, optimiert die Verarbeitungszeit und erfüllt gleichzeitig bauphysikalische Anforderungen. Nutzen Sie die Herstellerangaben als Grundlage für die Planung und prüfen Sie vor Ort die Plausibilität – so vermeiden Sie Überraschungen beim Aufmauern und in der späteren Nutzung.




