Montageschaum ist ein auf Polyurethan basierender Ortschaum, der im Bauwesen zum Abdichten, Kleben und Dämmen eingesetzt wird – gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Bauschaum, Isolierschaum oder Dämmschaum. Am Markt dominiert der Einkomponenten-Schaum (1K-PU-Schaum): Er macht in Deutschland rund 80 Prozent des Marktes aus. Daneben gibt es Zweikomponenten-Systeme (2K), die unabhängig von der Luftfeuchtigkeit aushärten und sich dadurch auch für geschlossene Hohlräume eignen. Beide Varianten kleben sehr gut auf den meisten Baumaterialien und werden vor allem bei der Montage von Zargen, Fensterrahmen und Verteilerkästen sowie zum Verfüllen von Spalten und Hohlräumen verwendet – mit Wirkung auf Wärmeschutz, Schallschutz und Abdichtung gegen Luftströmung, Feuchtigkeit und Staub.

Wie unterscheiden sich 1K- und 2K-Montageschaum?

1K-Schaum wird direkt aus der Aerosoldose, bei größeren Mengen aus Druckbehältern appliziert – per Handdispenser oder Dosiergerät. Er besteht aus einem Prepolymer von Isocyanat und Polyol, hergestellt aus höhermolekularen Polyolen mit einem stöchiometrischen Überschuss an Isocyanat. Dadurch bleiben reaktionsfähige Isocyanatgruppen erhalten, die erst beim Kontakt mit Luftfeuchtigkeit reagieren und den Schaum aushärten lassen. Vor der Anwendung müssen die Dosen geschüttelt werden, damit sich die Komponenten vermischen; ein Treibmittel sorgt für den Austritt und das Aufschäumen.

2K-Montageschaum wird dagegen aus zwei getrennt gelagerten Komponenten gemischt – entweder in einer Druckflasche, deren Inhalt dann sofort komplett verarbeitet werden muss, oder über eine Kartusche mit Mischrohr, in dem die Komponenten im richtigen Verhältnis beim Auftrag zusammengeführt werden. Weil die Aushärtung hier unabhängig von der Umgebungsfeuchte abläuft, eignet sich 2K-Schaum auch für geschlossene Hohlräume, in denen kein Luftaustausch stattfindet.

Kern-Eigenschaften im Überblick

  • Entscheidend für Schaumqualität und Reaktionsverlauf sind Umgebungstemperatur, relative Luftfeuchte und die Feuchte der Kontaktmaterialien.
  • Bei 20 °C Umgebungstemperatur härtet 1K-PU-Schaum innerhalb von rund fünf bis acht Stunden aus.
  • Zur Aushärtung reicht üblicherweise die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit ab mindestens 40 % relativer Feuchte aus.
  • Montageschäume sind im ausgehärteten Zustand beständig gegen Wasser, Öl, Benzin, Laugen und diverse Lösungsmittel, jedoch nicht gegen UV-Strahlung.
  • 2K-Montageschaum ist meist teurer als 1K-Ware, dafür aber resistenter gegenüber UV-Strahlung.

Wie verarbeiten Sie Montageschaum auf der Baustelle richtig?

An besonders warmen und trockenen Tagen lässt sich die Aushärtung beschleunigen, indem die betroffenen Flächen vor dem Schaumauftrag leicht angefeuchtet werden – ein Vorfeuchten des Untergrunds ist generell zu empfehlen, außer bei Frost, da sonst Eisbildung droht. Achten Sie darauf, dass frischer, noch nicht ausgehärteter Schaum sich mit einem öligen Tuch abwischen oder mit Aceton anlösen lässt. Ausgehärteter Schaum dagegen ist nur noch mechanisch zu entfernen – planen Sie also Korrekturen am Fugenbild vor dem vollständigen Durchhärten ein.

Ein praktisches Problem beim Einbau von Fenstern oder Türrahmen: Der Schaum kann nach dem Auftragen noch deutlich nachquellen. Das lässt sich durch dosiertes Arbeiten und entsprechende Verarbeitungsgeräte kontrollieren, statt die Fuge zu üppig zu befüllen. Bei Türzargen wird der Raum zwischen Wand und Rahmen typischerweise punktuell statt vollflächig ausgeschäumt.

Worauf müssen Sie bei MDI-haltigen Schäumen achten?

Viele Montageschäume enthalten Methylendiphenyldiisocyanat (MDI) als zentrale Wirkkomponente. MDI wirkt reizend auf Haut, Augen und Atemwege, kann bei Hautkontakt allergische Reaktionen und beim Einatmen asthmaartige Symptome auslösen und steht im Verdacht, krebserzeugend zu sein. Produkte mit einem MDI-Gehalt von 10 Prozent oder mehr müssen entsprechende Gefahrenpiktogramme tragen. Für die sichere Verarbeitung gilt:

  • Für ausreichende Belüftung des Arbeitsplatzes sorgen, solange der Schaum noch nicht ausgehärtet ist – das beugt auch der Bildung explosionsfähiger Gemische durch entweichende Treibgase vor.
  • Haut und Augen schützen, etwa mit langärmliger Kleidung, Schutzbrille und den beigefügten Schutzhandschuhen.
  • Bei unzureichender Lüftung eine Schutzmaske mit Gasfilter vom Typ A1 nach EN 14387 tragen.

Praxis-Take-away: Wählen Sie 1K-Schaum für offene Fugen mit Luftzutritt und moderate Mengenbedarfe, 2K-Schaum für geschlossene Hohlräume oder höhere UV-Belastung an der Fassade. Vorfeuchten (außer bei Frost) verkürzt die Standzeit, dosiertes Arbeiten verhindert Nachquellen – und ausgehärteter Schaum lässt sich nur noch mechanisch nacharbeiten, nicht mehr mit Aceton. Verwandte Verarbeitungsthemen rund um Klebstoffe und Fugendichtstoffe für Fassade, Verglasung und Sanitär liefern weitere Praxistipps für die Abdichtung am Bau, ebenso das Themenportal Energetische Sanierung, wo Wärmebrücken und Fugenabdichtung eine zentrale Rolle spielen.