Die Luftdichtheitsschicht ist jene Funktionsebene der Gebäudehülle, die das Durchströmen von Luft durch die Konstruktion unterbindet. Sie wird aus Folien, Bahnen, Klebebändern und Anschlussdichtungen aufgebaut und muss lückenlos und umlaufend geführt werden – über alle Bauteilanschlüsse hinweg. Im Holzbau ist ihre konsequente Ausführung besonders relevant, da hier die Zahl der Durchdringungen und Gewerkeschnittstellen hoch ist. In Deutschland regelt DIN 4108-7 Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen; in der Schweiz verlangt die SIA 180 ein dokumentiertes Luftdichtheitskonzept, das Lage und Verlauf der Luftdichtung in Fläche, An- und Abschlüssen sowie bei Durchdringungen festlegt.

Was gehört zum Systemaufbau einer Luftdichtheitsschicht?

Üblicher Bestandteil der luftdichten Ebene im Holzbau sind Folien oder plattenförmige Beplankungen, deren Stöße und Überlappungen fachgerecht abgedichtet werden müssen. Für die Dauerhaftigkeit der Funktionsschicht sollten dabei vom Produkthersteller empfohlene Systemlösungen zum Einsatz kommen, abgestimmt auf den jeweiligen Untergrund.

Welche Materialien dichten Stöße und Anschlüsse ab?

  • Einseitige Haftklebebänder
  • Zweiseitige Klebebänder oder Klebemassen
  • Vorkomprimierte Dichtungsbänder
  • Fugenfüller mit Bewehrungsstreifen
  • Fachgerechte Fugenverspachtelung

Spritzbare Dichtstoffe aus Acryl und Silikon reichen für eine dauerhafte Luftdichtigkeit nach DIN 4108-7 nicht aus – sie gelten für diese Funktionsschicht als ungeeignet.

Wie wird die Dauerhaftigkeit der Verklebung sichergestellt?

Knicke und Falten in Folien beeinträchtigen die Dauerhaftigkeit von Folienverklebungen. Da das Rückstellvermögen der Folienbahnen Klebebänder wieder ablösen kann, müssen Überlappungen zusätzlich durch Heftung oder Anpresslatten gesichert werden. Perforationen durch Klammern, Nägel oder Schrauben sind bei Holzwerkstoffen unproblematisch; bei Folien sind sie nur dann unkritisch, wenn die Folie kraftschlüssig durch ein Konstruktionsholz oder eine Holzwerkstoffplatte hinterlegt ist und dadurch nicht ausreißen kann. Insbesondere bei Flachdächern empfiehlt sich deshalb eine balken- bzw. sparrenparallele Verlegung.

Wie unterscheidet sich die Luftdichtheitsschicht von der Winddichtheitsschicht?

Die Winddichtheitsschicht sitzt außenseitig der Dämmebene und verhindert, dass kalte Außenluft die Dämmschicht hinterströmt. Dadurch bleibt die Dämmwirkung erhalten, und raumseitige Oberflächen kühlen nicht lokal ab. Im Holzbau übernimmt die winddichte Ebene häufig zugleich die Funktion der zweiten wasserführenden Ebene unterhalb von Bedachung oder vorgehängter Fassade. Als Materialien kommen in Frage:

  • Wasserabweisende (hydrophobierte) Holzfaserplatten mit Nut und Feder
  • Diffusionsoffene Folien bzw. Unterspannbahnen mit ausreichender Überlappung
  • Dämmplatten in Verbindung mit Putz als Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Für die Planung und Produktauswahl relevante Begriffe wie Dämmstoff und Holzfaser-Dämmstoffe sowie konstruktive Holzwerkstoffe wie OSB-Platte oder Brettsperrholz (CLT) spielen bei der Ausführung von Luft- und Winddichtheitsebenen eine Rolle, etwa im mehrgeschossigen Holzbau mit CLT-Elementen.

Was verlangt das Luftdichtheitskonzept nach SIA 180?

Seit Inkrafttreten der neuen SIA 180 ist diese die Hauptnorm für ein optimales Raumklima und die Vermeidung von Bauschäden in der Schweiz. Der Begriff des Luftdichtheitskonzepts war zuvor bereits in der Flachdachnorm SIA 271 verankert, die fordert, dass Lage und Verlauf der Luftdichtung in Fläche sowie bei An- und Abschlüssen im Luftdichtheitskonzept festgelegt sein müssen. Ergänzt um das Stichwort Durchdringungen findet sich die Anforderung auch in SIA 232/1 „Geneigte Dächer" und SIA 232/2 „Hinterlüftete Bekleidung von Aussenwänden" – und nun auch in der SIA 180 selbst.

Das Konzept muss sich durch alle Arbeitsprozesse ziehen: von der Projektierung, in der Dämmperimeter und Luftdichtheitsebene festgelegt und in den Plänen markiert werden, über die Ausschreibung mit definierten Sollwerten und Verantwortlichkeiten, bis zur Ausführung. Als besonders schwierig gilt in der Praxis der Wechsel der Dichtungsebene, etwa bei einer Aufdachdämmung, wo die Luftdichtungsebene in der Dachschräge außen auf der Sichtschalung verläuft und an den Innenputz der Außenwand angeschlossen werden muss. Für die Qualitätssicherung bei Dämm- und Luftdichtungsarbeiten hat sich das Vier-Augen-Prinzip etabliert: Arbeitskollegen kontrollieren gegenseitig, ob die Dämmung hohlraumfrei eingebracht, alle Anschlüsse dauerhaft luftdicht ausgeführt und Durchdringungen sauber an die Dampfbremse angeschlossen sind.

Angrenzende Themen wie Abdichtung im Nassbereich oder Fugendichtstoffe für Fassade und Verglasung behandelt Baustoffradar in separaten Fachbeiträgen, etwa zu Dichtschlämmen und flexiblen Abdichtungen oder zu Fugendichtstoffen für Fassade und Verglasung. Grundlagen zur Abdichtung als Oberbegriff sowie zum bauphysikalischen Kennwert U-Wert ergänzen das Verständnis der Gebäudehülle.