Redispergierbare Polymerpulver (RDP) sind weiße, rieselfähige Pulver, die durch Sprühtrocknung polymerer Dispersionen hergestellt werden. Bei Zugabe von Wasser zerfallen die Polymerpulver und bilden wieder einzelne Polymerdispersionen mit denselben Eigenschaften wie die ursprüngliche Dispersion. Im Mörtel bildet das Polymer nach dem Trocknen einen kontinuierlichen Polymerfilm, der Elastizität und Haftung fördert, die Wasserretention verbessert und die Verarbeitbarkeit erhöht.

Sie nutzen RDP hauptsächlich als chemische Zusatzstoffe, um die Eigenschaften von Baustoffmörteln zu modifizieren. Zu den wichtigsten Anwendungen gehören Fliesenkleber, Wärmedämmputze, Fugenmörtel, selbstnivellierende Spachtelmassen, Stuckarbeiten und Bodenmischungen. Das Pulver verbessert die Konsistenz, erhöht die Kohäsionsfestigkeit und Abriebfestigkeit, verlängert die Offenzeit und reduziert Rissbildung.

Wie werden redispergierbare Polymerpulver hergestellt?

Die Herstellung erfolgt durch Verdampfen von Wasser aus polymeren Dispersionen unter bestimmten Bedingungen. Während der Produktion wird Polyvinylalkohol zugesetzt, damit die Latexpartikel nicht miteinander verkleben. Als Polymerbasis werden meist Acrylpolymere, Polyvinylacetat sowie Copolymere von Vinylacetat mit Vinylversatat oder Ethylen verwendet. Das Polymer-Harz bildet den entscheidenden Bestandteil der Dispersionspartikel und ist der wichtigste Faktor für die Funktion redispersierbarer Pulver.

Bei der Zugabe zu Trockenmörteln disintegrieren die Polymerpulver und formen eine stabile Emulsion. Beim Trocknen entsteht ein durchgehender Polymerfilm, der die mechanischen und verarbeitungstechnischen Eigenschaften des Mörtels nachhaltig verändert.

Welche Polymertypen gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Redispergierbare Polymerpulver werden in drei Kategorien eingeteilt: hoch elastisch mit geringer Haftung, starr mit hoher Haftung und mittel elastisch mit Standardhaftung. Einige Pulver erhalten bei der Wasserbeigabe hydrophobe Eigenschaften, die den Mörtel wasserabweisend machen.

Vinylacetat-Ethylen-Polymere (VAE)

VAE-Pulver verbinden die Flexibilität des Ethylens mit der Haftung des Vinylacetats. Sie bieten wirtschaftliche und ökologische Vorteile, ohne dass die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. VAE-Polymere zeigen eine ausgezeichnete Kohäsion, Flexibilität, gute Tieftemperatur-Filmbildung und eine variable Glasübergangstemperatur. Zudem besitzen sie eine hervorragende Haftung auf Substraten wie Kunststoffen und Holz.

Vinylchlorid-Copolymere und Terpolymere

Diese Polymerpulver bieten große Wasserbeständigkeit, hohe Hydrophobie und ausgezeichnete Zughaftung. Terpolymere auf Basis von VEOVA und VAcE zeichnen sich durch extrem niedrige Übergangstemperaturen aus. Ihre Vorteile umfassen gute Verarbeitbarkeit, Nicht-Abrutsch-Verhalten, gute Zughaftungsfestigkeit, ausgezeichnete Rissüberbrückungseigenschaften und geringe Klebrigkeit.

Wann und wie setzen Sie RDP richtig ein?

Die empfohlene Dosierung liegt zwischen 0,5 % und 3,0 % bezogen auf die Trockenmörtelmasse. Während der Bauausführung bewirkt RDP eine hervorragende Redispergierbarkeit, reduziert den Wasserverbrauch, verbessert die Rheologie und Verarbeitbarkeit des Mörtels und verlängert die Offenzeit. Während der Aushärtung steigert das Polymerpulver die Haftfestigkeit, erhöht die Kohäsionsfestigkeit, verbessert die Abriebfestigkeit und reduziert die Rissbildung.

Typische Anwendungen umfassen:

  • Haftmörtel für Fliesen
  • Selbstnivellierende Mörtel für Estrich-Anwendungen
  • Fliesenkleber mit erhöhter Haftfestigkeit
  • Fugenmörtel mit verbesserter Elastizität
  • Nicht tragende Reparaturmörtel
  • Dekorative Putzmörtel und Spachtelmasse

Worauf müssen Sie bei der Verarbeitung achten?

Die minimale Film bildende Temperatur variiert je nach Polymertyp. Vinylacetat-Ethylen-Polymere bilden beispielsweise ab 5 °C einen stabilen Film. Die Glasübergangstemperatur (Tg) liegt typischerweise bei 30 °C, kann aber je nach Formulierung variieren. Der pH-Wert des angemischten Mörtels sollte im Bereich von 6,5 bis 7,5 liegen.

Die Pulver haben eine Schüttdichte zwischen 400 und 700 g/l und eine durchschnittliche Partikelgröße von rund 80 μm. Die Feinheit wird über den Rückstand auf einem 80-Mesh-Sieb definiert und sollte ≤10 % betragen. Der Aschegehalt beträgt üblicherweise 12 % ± 2 bei 750 °C, was auf den mineralischen Anteil des Schutzkolloids und eventueller Antiklumpmittel zurückzuführen ist.

Praxis-Take-away: So nutzen Sie RDP wirtschaftlich

Redispergierbare Polymerpulver sind ein leistungsfähiges Werkzeug zur Modifizierung von Mörteln. Beachten Sie die Herstellerangaben zur Dosierung, wählen Sie den Polymertyp passend zur Anwendung – VAE für Flexibilität und Haftung, Vinylchlorid-Copolymere für Wasserbeständigkeit – und achten Sie auf die Mindesttemperatur für die Filmbildung. So sichern Sie sich dauerhafte Haftung, reduzierte Rissbildung und eine verbesserte Verarbeitbarkeit auf der Baustelle.

Für weiterführende Informationen zur Kennzeichnung und zu Sicherheitsaspekten bei bauchemischen Produkten lesen Sie unseren Beitrag zu Sicherheitsdatenblatt und CLP-Kennzeichnung bauchemischer Produkte.