Hydrophobierung bezeichnet eine imprägnierende Behandlung von Beton, Mauerwerk, Klinker, Kalksandstein und weiteren mineralischen Baustoffen, die deren Oberfläche wasserabweisend macht. Das Verfahren dient dem Feuchtigkeitsschutz und reduziert die kapillare Wasseraufnahme, ohne die Poren zu verschließen. Seit etwa Mitte der siebziger Jahre kommen dafür Imprägnierungen mit Silanen und Siloxanen zum Einsatz, zunächst lösemittelbasiert, später zunehmend wasserbasiert.
Wirkprinzip: Kapillaren auskleiden statt verschließen
Im Gegensatz zu abdichtenden Beschichtungen füllt die Hydrophobierung die Kapillaren saugfähiger, poröser Oberflächen nicht vollständig, sondern kleidet sie mit einem dünnen Schutzfilm aus. Die Kapillaren bleiben offen, sodass der Baustoff wasserdampfdurchlässig bleibt. Hydrophobierung ist deshalb nicht wirksam gegen drückendes Wasser, verhindert aber das kapillare Eindringen von Regenwasser, gelösten Salzen und Schadstoffen aus der Luft. Zudem verbessert sich der Frost-Tausalz-Widerstand, da weniger Feuchtigkeit in den Baustoff eindringt, die bei Frost gefriert und zu Abplatzungen führen kann.
Hydrophobierung und Imprägnierung: Unterscheidung nach DIN EN 1504
Die Begriffe Hydrophobierung und Imprägnierung werden häufig synonym verwendet, bezeichnen jedoch nach den Oberflächenschutzsystemen für Beton nach RiLi-SIB und DIN EN 1504 unterschiedliche Behandlungen:
- Hydrophobierung (H): Imprägnierende Behandlung zur Herstellung einer wasserabweisenden Oberfläche. Die Kapillaren sind ausgekleidet, nicht gefüllt. Wasserdampfdurchlässigkeit bleibt erhalten.
- Imprägnierung (I): Dient zur Verhinderung des Eindringens flüssiger und gasförmiger Stoffe in den Untergrund. Poren und Kapillaren werden gefüllt, es entsteht ein ungleichmäßiger dünner Film zwischen 10 µm und 100 µm Dicke. Kann als Grundierung zur Festigkeitserhöhung oder Haftungsverbesserung dienen.
- Hydrophobierende Imprägnierung: Laut DIN EN 1504-2 eine Behandlung des Betons zur Herstellung wasserabweisender Oberflächen. Dieser Begriff verbindet beide Eigenschaften und wird in der Praxis oft stellvertretend für Hydrophobierung verwendet.
- Versiegelnde Imprägnierung: Nach DIN EN 1045 das Auftragen flüssiger Produkte, die oberflächennah in den Untergrund eindringen und das Porensystem verschließen.
- Beschichtung (C): Bildet eine geschlossene Schutzschicht zwischen 0,1 mm und 5 mm Dicke. Schützt vor Chemikalien, mechanischer Beanspruchung und verhindert das Eindringen von Gasen, ist jedoch nicht wasserdampfdurchlässig.
Silane und Siloxane: Chemische Grundlage der Hydrophobierung
Die wasserabweisende Wirkung beruht auf siliziumorganischen Verbindungen. Silane sind niedermolekulare Verbindungen, die tief in den Baustoff eindringen und dort zu Siloxanen vernetzen. Siloxane selbst sind höhermolekulare Polymere, die ebenfalls eindringen, aber weniger tief als Silane. Beide Stoffgruppen lagern sich an den Porenwänden an und bilden eine wasserabweisende Schicht, die das Eindringen von Wasser verhindert, Wasserdampf jedoch passieren lässt. Diese Eigenschaft ist entscheidend für die Dauerhaftigkeit von Fassaden, da Feuchte aus dem Gebäudeinneren nach außen diffundieren kann.
Einsatz bei Mauerwerk und Beton
Hydrophobierung findet breite Anwendung bei Mauerwerk, Fassadenputz, Beton, Klinker und Naturstein. Besonders bei historischen Gebäuden, schwach gebrannten Ziegeln und exponierten Fassaden ist der Schutz vor Feuchtigkeitseintritt wichtig, da Baustoffe bei erhöhter Feuchte an Festigkeit verlieren. Gelöste Salze dringen bei Regen in den Baustoff ein und verursachen Ausblühungen, feuchte Wände und Mauerwerkserosion. Zudem gelangen Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft durch Regen in den Baustoff.
Bei Außenwänden aus Beton trägt Hydrophobierung dazu bei, die Bewehrungskorrosion zu verzögern, da Chloridionen aus Tausalzen langsamer eindringen. Risse und Fugen bleiben allerdings Schwachstellen, durch die Nässe von außen eindringen kann. Hydrophobierung ist daher kein Ersatz für konstruktive Abdichtung, sondern eine ergänzende Maßnahme.
Wasserbasierte Produkte als umweltfreundliche Alternative
Mit zunehmendem Umweltbewusstsein kamen wasserbasierte Hydrophobierungen, oft als Hydrophobierungscremes bezeichnet, auf den Markt. Sie ersetzen zunehmend lösemittelbasierte Produkte, da sie weniger flüchtige organische Verbindungen (VOC) freisetzen und gesundheits- und umweltverträglicher in der Verarbeitung sind. Mehr zur VOC-Thematik bei Bauprodukten finden Sie in unserem entsprechenden Artikel.
Fassadenoptik bleibt unverändert
Ein wesentlicher Vorteil der Hydrophobierung gegenüber filmbildenden Beschichtungen ist, dass die Optik der Fassade nicht verändert wird. Die Behandlung hinterlässt keinen sichtbaren Film, sodass die natürliche Oberflächenstruktur und Farbe von Klinker, Naturstein oder Sichtbeton erhalten bleibt. Dies ist besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden und hochwertigen Fassaden von Bedeutung.
Hydrophobierung ist damit ein bewährtes Verfahren für den langfristigen Schutz mineralischer Baustoffe, das Feuchtigkeitsschäden vorbeugt, ohne die Wasserdampfdurchlässigkeit zu beeinträchtigen. Für Anwendungen mit hoher Salz- oder chemischer Belastung empfiehlt sich die Kombination mit Sanierputzsystemen oder die Verwendung versiegelnder Imprägnierungen.



